Wasserstoff: Energieträger der Zukunft

17.09.20 Wasserstoff – Jules Vernes Vision wird Realität Andreas Schierenbeck, Vorstandsvorsitzender Uniper SE • 7 min.

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Zusammenfassung

"Wasser ist die Kohle der Zukunft" – das schrieb Jules Vernes vor knapp 150 Jahren, als das Kohlezeitalter in voller Blüte stand. Hat sich seine Prophezeiung eingelöst? Andreas Schierenbeck, CEO von Uniper, meint: Wasserstoff wird die Basis legen für eine nachhaltige Entwicklung, die neue Beschäftigung und Wirtschaftswachstum schaffen und uns allen ungeahnte neue Möglichkeiten eröffnen wird. Ein Essay.

Jules Vernes war nicht nur der (Mit-)Begründer der Science Fiction Literatur, er war ein Visionär: Er sah die Entwicklung von Helikoptern, U-Booten und Raumschiffen voraus. Doch in kaum einem anderen Feld war er dem Stand des Wissens vor rund 150 Jahren so weit voraus wie bei der Energieversorgung der Zukunft. Er glaubte schon 1874 fest daran, dass Wasserstoff „eine unerschöpfliche Quelle von Wärme und Licht sein wird“.

Andreas Schierenbeck, CEO Uniper SE

Andreas Schierenbeck, CEO Uniper SE

Das Potential von Wasserstoff ist seit Jahren unbestritten. Nun steht dieser Energieträger im Wettbewerbsvergleich endlich vor seinem Durchbruch. Die Ambitionen haben sich massiv verändert, insbesondere mit Blick auf die Frage, wie wir einen wachsenden Energieverbrauch decken und zugleich die erforderlichen massiven Reduktionen im Bereich der Treibhausgase erreichen können.

Es wird leider nicht reichen, dabei nur auf die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien zu setzen. Der Blick auf die energieintensive Industrie und die Sektoren Wärme und Verkehr, vor allem Flugverkehr, Schiffe und schwere LKWs, zeigt, dass wir zusätzliche Lösungsmöglichkeiten benötigen.

Milliarden für die Dekarbonisierung

Dies ist der Grund warum Wasserstoff derzeit zu Recht in aller Munde ist. Unternehmen planen massive Investments in den Bereich und auch staatliche Mittel stehen in großem Umfang zur Verfügung. Uniper allein hat sich verpflichtet, in den kommenden Jahren 1,2 Mrd. Euros in die weitere Dekarbonisierung ihrer Aktivitäten zu investieren.

Ein Blick auf die Bekämpfung der wirtschaftlichen Wirkungen der Corona-Pandemie zeigt, dass es derzeit kaum ein europäisches Wiederaufbauprogramm gibt, das nicht in irgendeiner Form auf die Entwicklung einer nachhaltigen Wasserstoffwirtschaft als Zukunftsmotor setzt. Dies ist richtig, denn es geht jetzt darum, gemeinsam die Produktion von Wasserstoff hochzufahren, den Handel zu stärken und geeignete Lösungen für die industriellen Kunden zu entwickeln, um die Wettbewerbsfähigkeit von Wasserstoff schnellstmöglich zu erreichen.

Wasserstoff wird die Basis für nachhaltige Entwicklung legen

Wasserstoff ist der einzige Energieträger, der die Dekarbonisierung des gesamten Energiesystems vorantreiben kann. Er kann dort hergestellt werden, wo es die technisch wie wirtschaftlich „besten“ Bedingungen hierfür gibt, kann in großen Mengen gespeichert und dorthin transportiert werden, wo Nachfrage besteht. So wie Erdöl zu Beginn des 20. Jahrhunderts der kraftvolle Motor der Weltwirtschaft wurde, wird Wasserstoff die Basis legen für eine nachhaltige Entwicklung, die neue Beschäftigung und Wirtschaftswachstum schafft und uns allen ungeahnte neue Möglichkeiten eröffnen wird.

Die erforderlichen Technologien stehen bereit. Würden alleine die überschüssigen Stromerzeugungsmengen aus erneuerbaren Energien, die derzeit aus netztechnischen Gründen nicht genutzt werden können, für die Herstellung von „grünem Wasserstoff“ eingesetzt, wären die bundesdeutschen CO2-Emissionen bereits deutlich niedriger.

Deutschland hat die Chance, eine Vorreiterrolle zu übernehmen

Wir müssen gemeinsam die Grundlagen für eine globale Wasserstoffwirtschaft schaffen. Europa kann ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung werden. Die europäischen Volkswirtschaften mit ihren führenden Industrie-Unternehmen in den Bereichen Stahl, Chemie und Mobilität sind dringend auf neue Technologien angewiesen, die es ihnen ermöglichen, die Dekarbonisierung voranzutreiben ohne dabei Wachstum und Beschäftigung zu gefährden.

Gerade Deutschland hat mit seiner wirtschaftlichen Größe, seinen technologischen und finanziellen Möglichkeiten alle Chancen, eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Zum Erreichen des Ziels einer Europäischen Wasserstoffwirtschaft gehört ebenso, dass die europäischen Unternehmen ihre technischen Fähigkeiten bündeln und gemeinsame Strategien entwickeln, wie sie gemeinsam mit Finanzinvestoren an der Herstellung von Wasserstoff partizipieren.

Die Rahmenbedingungen müssen stimmen

Bei der Entwicklung des internationalen Handels mit Wasserstoff kommt gerade deutschen Firmen eine Schlüsselrolle zu. Die Deutsche Wasserstoffstrategie zeigt die Handlungsfelder auf, um die vorhandenen, guten Ausgangsbedingungen weiter auszubauen. Von der Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen hängt nun der schnelle Markthochlauf von Wasserstoff ab.

Bei alledem dürfen wir nicht übersehen: Deutschland und Europa insgesamt werden für absehbare Zeit Netto-Importeure von Wasserstoff bleiben. Deshalb ist es richtig, von Beginn an Partnerschaften mit anderen Ländern, z.B. in Afrika oder Arabien, bei der Konzeption erfolgreicher Entwicklungsstrategien wie dem Europäischen „New Green Deal“ mit einzuplanen. Die erforderlichen internationalen Infrastrukturen können wir nur gemeinsam schaffen. Wir werden dabei den größten Erfolg haben, wenn wir pragmatisch und offen in der Sache an neue Technologien herantreten.

Deutschland und Europa können jetzt der Welt zeigen, dass sie die Weichen für eine saubere Energiezukunft gemeinsam stellen und entschlossen den weiteren Weg gehen wollen. Wir haben jetzt die einmalige Chance, eine Nachhaltigkeit in der Wirtschaft zu schaffen, die von sauberer Energie angetrieben, neues Wachstum ermöglicht und eine Vielzahl neuer Arbeitsplätze schaffen wird. Die Visionen eines Jules Vernes können wir jetzt endlich Realität werden lassen.

Zur Person
Andreas Schierenbeck ist seit Juni 2019 Vorstandsvorsitzender des internationalen Energieunternehmens Uniper mit Sitz in Düsseldorf. Seit seinem Amtsantritt treibt Schierenbeck die Transformation von Uniper vom konventionellen Versorger hin zu einem klimafreundlicheren, zukunftsorientierten Energieunternehmen voran. Bis 2035 will Uniper in der europäischen Stromerzeugung CO2-neutral werden. Hierfür steigt das Unternehmen aus der Kohleverstromung aus, setzt auf Gas und den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft. Im Juni 2020 wurde Andreas Schierenbeck in den Wasserstoffrat der Bundesregierung berufen.

Bevor er zu Uniper kam war Schierenbeck, der 1966 in Hohen-Neuendorf bei Berlin geboren wurde, Vorstandsvorsitzender von ThyssenKrupp Elevators. Seine berufliche Laufbahn begann der Elektroingenieur 1992 bei Siemens, wo er bis 2012 verschiedenste Führungsaufgaben im In- und Ausland wahrnahm, zuletzt als President und CEO Building Technologies Americas der Siemens Corporation in den USA.

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