24.11.20 Hier muss niemand den Löffel abgeben Autor*in: Frank Schnellkamp • Lesedauer: 5 min.

Scroll to Read
Zusammenfassung

Nachhaltigkeit trifft Genus: Das Start-Up Spoontainable aus Heidelberg stellt essbare Eislöffel her. Das schmeckt gut und hilft, Plastikmüll zu vermeiden.

Mehr als 360 Millionen Plastikeislöffel werden jedes Jahr allein in Deutschland ausgegeben und landen bereits wenige Minuten später im Müll – oder auf der Straße. Würde man sie aneinanderreihen, würden die Löffelchen einen 34.000 Kilometer langen Plastikmüll-Streifen ergeben. Zwei junge Unternehmerinnen aus Heidelberg haben dem Plastik jetzt den Kampf angesagt. Die Spoontainable-Gründerinnen Amelie Vermeer (25) und Julia Piechotta (26) haben den Spoonie, den ersten essbaren Eislöffel erfunden. Fast zwei Millionen Mal ist er bereits verkauft worden – und der Spoonie ist nicht die einzige Idee, mit der die Ökopreneure Müll vermeiden wollen.

Die Business-Idee entstand in einer Eisdiele. Amelie Vermeer und Julia Piechotta sind echte Eisliebhaberin. Nur die neongrünen Spatel, mit dem das Eis gelöffelt wird, vermiesten den umweltbewussten BWL-Studentinnen oft den Genuss. „Das muss besser, umweltfreundlicher und leckerer gehen“, dachten die Freundinnen sich. Nach dem Motto „Mitessen statt wegschmeißen“ tüftelten die beiden kurz darauf in ihrer WG-Küche an einer Rezeptur für einen essbaren Löffel, der gut schmeckt, gesund ist und im Eis nicht weich wird.

Die Ökopreneure und Spoontainable-Gründerinnen Amelie Vermeer und Julia Piechotta

Ökropreneure: Amelie Vermeer und Julia Piechotta

"Dont't waste it, taste it"

Dutzende Rezepte, eine Crowdfunding-Aktion und ungezählte Kilo zu Testzwecken verzehrten Eises später, kam im April 2019 der „Spoonie“ auf den Markt. Gemäß des Firmenslogans „Don’t waste it, taste it“ kann er einfach aufgegessen werden, wenn das Eis ausgelöffelt ist.

Das ist in doppelter Hinsicht nachhaltig, denn der „Spoonie choc“ mit Schokoladen-Geschmack wird aus Fasern der Kakaoschale hergestellt, der „Spoonie classic“ aus Haferfasern. Bislang landeten die Abfallprodukte aus der Lebensmittelindustrie einfach im Müll. „Der Spoonie besteht also aus geretteten Lebensmitteln. Er ist vegan, zuckerfrei und wird zu 100 Prozent klimaneutral in Deutschland hergestellt“, sagt Amelie Vermeer. Doch selbst wer den Keks-Löffel nicht essen will, muss kein schlechtes Gewissen haben, denn der Spoonie ist zu 100 Prozent biologisch abbaubar.

Damit sind die jungen Spoontainable-Gründerinnen ihrer Zeit voraus. Denn in der Europäischen Union ist Einwegplastik ab 2021 verboten. Zwar sind unterdessen viele Alternativen aus sogenanntem Bio-Kunststoff entwickelt worden, doch die werden ihrem Öko-Image meist nicht gerecht. Das Material zersetzt sich so langsam, dass es nur schwer kompostiert werden kann und lässt sich andererseits so schlecht recyceln, dass die Löffel, Gabeln und Messer schließlich meist im Restmüll landen. Der Spoonie hingegen landet im Magen.

Der Spoonie landet nicht im Müll, sondern im Magen

Der Spoonie landet nicht im Müll, sondern im Magen

Über 300 Eisdielen in Deutschland und elf weiteren europäischen Ländern setzten bereits auf den Spoonie – und auch die ganz Großen sind mittlerweile auf den kleinen Löffel aufmerksam geworden.

Beim Förderprogramm „Tech-Founders“ des Discounters Aldi konnte Spoontainable – eine Zusammensetzung aus Spoon (Englisch für Löffel) und sustainable (Englisch für nachhaltig) – sich gegen 79 Konkurrenten durchsetzen. Seit Oktober 2020 ist der Spoonie choc Bestandteil eines Dessert-To-Go-Produktes bei Aldi Nord und Aldi Süd.

„Es ist toll, dass wir mit Aldi jetzt einen so starken Partner haben. Zusammen wollen wir möglichst viele Menschen vom Spoonie begeistern und so einen Beitrag zur Plastikreduktion leisten“, sagt Julia Piechotta.

Deutschland produziert den meisten Plastikmüll

Immerhin produziert Deutschland mit 11 Millionen Tonnen pro Jahr so viel Plastik wie kein anderes Land in Europa. Die nicht nur in Corona-Zeiten boomende To-Go-Kultur leistet dazu einen nicht unerheblichen Beitrag, und nach Recherchen von Bund Naturschutz und der Heinrich-Böll-Stiftung wurden nur etwa zehn Prozent des zwischen 1950 und 2015 weltweit produzierten Plastiks recycelt.

Mit Kunden wie Aldi und einer Kooperation mit Coppenrath Feingebäck ist aus dem Start-Up aus der Studentenküche mittlerweile ein Start-Up geworden, das täglich bis zu 500.000 Spoonies produzieren kann. Die Kosten liegen je nach Bestellmenge zwischen fünf Cent und acht Cent pro Stück. Sechs Frauen und ein Mann arbeiten mittlerweile in Heidelberg für Spoontainable. „Wir haben immer Eis im Büro. Mit dem Spoonie können sich daran alle Mitarbeiter stets bedienen – zu Test- oder Motivationszwecken“, erzählt Julia Piechotta.

Mit kleinen Schritten Großes bewirken

Während die meisten Eisdielen derzeit geschlossen sind, arbeiten die Spoontainable-Gründerinnen schon am nächsten Produkt. Die jungen Unternehmerinnen mögen nicht nur Eis, sondern auch heiß – und Kaffee-Saison ist das ganze Jahr. Spätestens im März 2021 wollen Amelie Vermeer und Julia Piechotta einen essbaren Kaffee-Rührstab auf den Markt bringen, der sich auch in frisch aufgebrühtem Kaffee nicht auflöst. Amelie Vermeer: „Wir wollen beweisen, dass man auch mit kleinen Schritten Großes bewirken kann. Darum arbeiten wir weiterhin an unserer Produktpalette.“

Haftungsausschluss

Die Inhalte dieser Website werden mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt. Uniper SE übernimmt jedoch keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Inhalte. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des jeweiligen Autors und nicht immer die Meinung von Uniper SE wieder.

Ihre Internetverbindung ist zu langsam, die Seite könnte verzögert dargestellt werden.