Boomtown Leipzig
© Danny Buehring/iStock

26.01.21 Hype um Leipzig: Wie die Stadt zur grünen Gründungsmetropole wurde Autor*in: Martín Freire • Lesedauer: 6 min.

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Zusammenfassung

Städte sind wie Organismen. Sie verändern sich ständig – nicht immer zum Positiven. Wie Leipzig es geschafft hat, von einer schrumpfenden Stadt zur Start-up-Metropole zu werden und dabei noch ganz nebenbei die Energiewende vorantreibt.

Leipzig boomt. Mit 600.000 Einwohnern ist es die am schnellsten wachsende Stadt Deutschlands und laut eines Rankings des Hamburger Instituts für Weltwirtschaft direkt nach Berlin die wettbewerbsfähigste Stadt des Landes. Die Wirtschaft floriert und wächst kontinuierlich. Ein Trend, der sich höchstwahrscheinlich fortsetzen wird. Allein schon, weil die sächsische Stadt in der Metropolregion in Mitteldeutschland liegt und damit ein zentraler und strategisch wertvoller Wirtschaftsstandort ist. Große Player wie Porsche, DHL und BWM hat es dorthin gezogen und in der Start-up-Szene gilt Leipzig als neue Gründungsmetropole. Die Entwicklung der Stadt ist so beeindruckend, dass Medien sie als "Stadt der Helden", "Neues Berlin" und "Hypezig" bezeichnen. Dabei ist es noch nicht allzu lange her, dass Leipzig als Stadt des Leer- und Stillstands verschrien war.

Der Weg nach unten

Als nach dem Zweiten Weltkrieg in der DDR die Wirtschaftsgüter umverteilt wurden, blieb Leipzig nur die Schwerindustrie, von der sie als Hauptwirtschaftsfaktor abhängig wurde. Bis 1989 sank die Bevölkerungszahl der Stadt daher um 100.000 Einwohner. Und es folgten weitere 100.000, als mit der deutschen Wiedervereinigung Leipzigs Industrie einen wirtschaftlichen Kahlschlag einstecken musste: Innerhalb von nur sechs Jahren gingen 90 Prozent der Arbeitsplätze in der Industrie verloren.

Wie hat es Leipzig nur geschafft, den wirtschaftlichen Niedergang aufzuhalten und die Abwärtsspirale ins Gegenteil zu kehren?

Von der schrumpfenden Stadt zur Schwarmstadt

„Das Jahr 2000 war ein Wendepunkt“, sagt Florian Woitek, Referent im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr. „Wir hatten erkannt, dass wir für die Stadtentwicklung einen strategischen Ansatz brauchen. Deswegen haben wir einen Entwicklungsplan mit dem Namen 'Leipzig 2020' erarbeitet, der nun bis 2030 erweitert wurde.“ Dieser Plan diente als Leitfaden bei Investitionen, Haushaltsplanungen, der Beantragung von nationalen und internationalen Fördermitteln und half zudem, die Transparenz für die Bürger zu erhöhen. Das Ziel war, dass Leipzig sowohl wirtschaftlich als auch demografisch wachsen sollte. Ein zentraler Punkt war deshalb Ansiedlung neuer Unternehmen, um Menschen und Investitionen anzulocken. Dafür nahm die Stadt reichlich Geld in die Hand.

Leipzig baute Straßen aus, erschloss neue Zugverbindungen und sanierte den Flughafen. „Neue Infrastruktur und eine bessere Verbindung zwischen den ländlichen Gebieten und der Stadt machten Leipzig wieder attraktiver und erleichterten es größeren Unternehmen, sich bei uns anzusiedeln. Das hat maßgeblich dazu beigetragen, den Bevölkerungsrückgang umzukehren. Wir sind stolz darauf, dass wir jetzt wieder bei 600.000 Bürgern sind“, sagt Woitek.

Die Stadt der Millenials

Große Unternehmen wie Porsche, DHL, Amazon und BMW haben Tausende Arbeitsplätze geschaffen, sowohl für qualifizierte als auch für ungelernte Arbeitskräfte. Aber auch Forschungs-, Logistik- und Kommunikationsunternehmen aller Größenordnungen erlebten einen Aufschwung. „Wir haben ein gutes Gleichgewicht zwischen großen Playern und kleinen und mittleren Unternehmen geschaffen“, meint Woitek. Und weil die Stadt gleichzeitig ihr kulturelles Angebot ausgebaut und die Altstadt saniert hat, boomt nicht nur die Wirtschaft, sondern auch der Tourismus. Und ganz nebenbei ziehen die im Vergleich zu anderen Großstädten noch gut bezahlbaren Mieten Studenten, Kreative und Familien an.

Leipzigs Erfolgsgeschichte wird auch von „Initiative für Kohleregionen im Wandel“ gerne als Paradebeispiel herangezogen. Die Initiative der Europäischen Kommission unterstützt die EU-Kohleregionen auf ihrem Weg zur Dekarbonisierung und bei der Energiewende. Die Region Leipzig-Bitterfeld war zu DDR-Zeiten vor allem für Kohle, Kohlekraft und Tagebau berühmt. Heute plätschert Wasser in den Seen der alten Tagebaue, die jetzt ein attraktives Naherholungsgebiet sind. Zwar wird auch heute noch Kohle abgebaut und das Kraftwerk Leipzig-Lippendorf versorgt die Region mit Energie und Wärme, aber auch das soll sich ändern. Das Modellprojekt „RegioZukunft:Wärme“ will durch neue Technologien die Transformation weiter vorantreiben und klimaneutrale Wärme für Mitteldeutschland erzeugen.

Ehre, wem Ehre gebührt

Wegen Leipzigs Rolle bei den Montagsdemonstrationen 1989 gilt die Stadt als "Stadt der Helden". Florian Woitek ist überzeugt, dem Namen wird sie auch heute noch gerecht: „Nicht die Regierung schafft Arbeitsplätze und Wachstum, sondern die Menschen“, meint er. „Als lokale Behörde haben wir lediglich die Rahmenbedingen geschaffen und Freiflächen, Parks und Gemeinschaftsbereiche für Bürger, kleine Unternehmen oder Künstler bereitgestellt.Wir wollten ein Umfeld schaffen, in dem unsere Bürger in der Lage sind, Leipzig aus eigener Kraft voranzutreiben und zu beweisen, dass dies die 'Stadt der Helden' bleibt."

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