Drei Farben sollen helfen, das Stadtklima zu verbessern
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09.03.21 Wie drei Farben das Stadtklima verbessern Autor*in: Clara Müller • Lesedauer: 6 min.

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Zusammenfassung

Enge Bebauung, wenig freie Fläche: Viele Metropolen sind bereits von Starkregen, Überschwemmungen und Hitzeinseln betroffen. Aber Weiß, Grün und Blau könnten Stadtplanern helfen, die Folgen des Klimawandels zu bewältigen

Der Klimawandel und die steigende Urbanisierung sind eng miteinander verknüpft. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt mittlerweile in Städten – und ist damit für einen Großteil des Energieverbrauchs und der Emissionen verantwortlich. Und gleichzeitig sind die Städte natürlich die Orte, an denen sich Menschen, Wirtschaft, Industrie und Infrastruktur auf engstem Raum konzentrieren und damit am anfälligsten für die Folgen des Klimawandels sind. Deswegen wird es immer wichtiger, bereits in der aktuellen Stadtplanung für die nächsten Jahrzehnte vorzusorgen. Und da kommt die Farbenlehre ins Spiel.

Mehr Weiß in der Stadt


Schwarzer Asphalt und dunkle Dächer heizen die Städte auf und geben die Wärme auch in den eigentlich kühleren Nachtstunden ab. Deswegen ist es in Städten rund um die Uhr wärmer als außerhalb. Der Temperaturunterschied beträgt bis zu drei Grad Celsius. Denn durch die Häuserschluchten und dichte Bebauung kann die Hitze meist nicht entweichen. Für 2018 ermittelten Forscher allein für Deutschland rund 20.000 Todesfälle bei über 65-Jährigen, die in Zusammenhang mit Hitze stehen.

Die Lösung: Weil helle Farben rund vier Fünftel des Sonnenlichts in den Weltraum zurückwerfen können, könnte man mit ihrer Hilfe in den Städten den Rückstrahlungswert des Sonnenlichts in den Weltraum deutlich erhöhen. Das Potential haben zwei amerikanische Forscher einmal für uns ausgerechnet: Würde man, was zugegeben erstmal absurd klingt, alle Dächer in den Metropolen dieser Welt weiß streichen, würde die Durchschnittstemperatur so um 0,4 Grad Celsius sinken. In New York wäre an besonders heißen Tagen sogar eine Abkühlung um 1,1 Grad möglich. Das klingt dann gleich wieder weniger absurd. Die Stadt hat bereits die Initiative "Cool Roofs" gestartet und mehr als 500.000 Quadratmeter Dachflächen weiß gestrichen, Los Angeles hat sogar einige Straßen weiß gemalt.

Dass aber ganze Städte in den nächsten Jahren der weißen, griechischen Insel Santorin ähneln werden, ist dann doch unwahrscheinlich. Fakt aber bleibt: Auf diese Weise die Städte zu kühlen, würde auch direkt den Einsatz von Klimaanlagen verringern und so den Energieverbrauch senken – der ja wiederum den Klimawandel vorantreibt.

Mehr Grün in der Stadt

Dass die Folgen des Klimawandels sich in den Städten gar nicht erst so zuspitzen, dabei kann auch die Farbe Grün helfen. Wie bei den weißen Dächern wird auch durch die Pflanzen mehr Sonnenlicht reflektiert, die Fassaden erhalten Schatten, und das Verdunsten von Wasser über die Blätter der Pflanzen sorgt für frische, kühle Luft. In dem Bereich entstehen gerade einige innovative Ideen, wie zum Beispiel vertikal an der Hauswand wachsende Bäume, die ebenfalls für eine deutliche Kühlung von Gebäuden sorgen und im Vergleich zu Klimaanlagen geringere Energiekosten verursachen und zusätzlich noch Schadstoffe aus der Luft filtern.

Der Platz um zusätzliches Grün in der Stadt zu schaffen, ist begrenzt. Aber auch hier gibt es Möglichkeiten: Experten empfehlen, Gebäude aufzustocken, statt mit weiteren Neubauten Grünfläche zu vernichten. Versiegelte Flächen können durch mit grün durchwachsene Rasengittersteine aufgebrochen werden. Und auch oben ist noch Platz: „Das Potenzial an Flächen, die für eine Dachbegrünung geeignet sind, ist in vielen deutschen Kommunen noch nicht ausgeschöpft. So zeigen Erhebungen auf Basis von Luft- und Satellitenbildern, dass der Anteil begrünter Dächer derzeit meist zwischen 2 und 8 Prozent liegt. Auch „Urban Gardening“ und „Urban Farming“ sorgen für einen Kühleffekt von oben. Auf dem Shoppingcenter „Wilmersdorfer Arcaden“ in Berlin grasten neben vier Bienenvölkern bereits die Schafe Nella und Püppi, um Unkraut vernichten.

Mehr Platz für blaues Wasser in der Stadt

Hochwasser durch über die Ufer tretende Flüsse oder Starkregenereignisse: Das können wir schon jetzt jedes Jahr beobachten. Im August 2019 musste die Feuerwehr in Berlin wegen Starkregens sogar den Ausnahmezustand ausrufen.

Die Wasserinfrastruktur spielt also eine immer zentralere Rolle. Um den Wassermassen Herr zu werden, müssen Kanalisationen, Wasserflächen in der Stadt, und Grünflächen aufeinander abgestimmt sein. Derzeit fließt der Regen noch direkt von der Straße in die Kanalisation. Viel besser wäre es aber, wenn er langsam auf Wiesen oder durchlässigen Böden verdunsten und dabei gleichzeitig die Luft kühlen würde. Deswegen werden bei der Stadtplanung multifunktionale Rückhalteräume neu gedacht: Das kann zum Beispiel ein tiefer gelegener Park mit Begrünung sein, der bei Überflutung zur Wasserfläche wird und außerdem durch das Rückhalten des Wassers die Kanalisation entlastet.

Auch kommerzielles „Urban farming“ oder „Indoor-Farming“ kann die Sielnetze entlasten, wenn es für die Bewässerung der Pflanzen Niederschlags- und Grauwasser nutzt. Ein weiterer Ansatz sind Pflanzenkläranlagen, die gleichzeitig Grün- und Wasserflächen bewahren. Auch das entlastet die Kanalisation und beugt Überschwemmungen vor.

Jede Stadt braucht seine eigene Lösung

Am Ende ist es aber bei der Stadtplanung wie bei allen anderen Dingen auch: Die perfekte Lösung ist schwer zu finden. Viele Ideen werden derzeit noch erprobt und bergen gewisse Risiken. Mehr Stadtgrün und mehr Bewässerungsideen etwa benötigen auch mehr Wasser. Das wird zum Problem, wenn die Trockenheit zunimmt. Denn sobald das Grün vertrocknet, heizt es sich noch stärker auf als Beton. Damit wäre dann rein gar nichts gewonnen. Was in einer Region oder Stadt funktioniert, lässt sich nicht gleich auf die nächste übertragen, meint Fabian Dosch vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Jede Stadt muss seine eigenen Akzente setzen. Wäre ja sonst auch viel zu einfach.

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