06.05.21 Wie Bill Gates die Welt retten will Autor*in: Frank Schnellkamp • Lesedauer: 3 min.

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Zusammenfassung

Er gründete Microsoft und wurde so zu einem der reichsten Menschen der Welt. Nun hat Bill Gates eine neue Mission: die Abwendung der drohenden Klimakatastrophe! Beseelt vom Glauben an die Kraft der Innovation und garniert mit Anekdoten aus dem Leben eines Mannes, der mit vielen führenden Wissenschaftlern und Entscheidern per Du ist, erklärt er in seinem Buch „Wie wir die Klimakatastrophe verhindern“, was zu tun ist. Die fünf wichtigsten Thesen.

1. Wir müssen von 51 Milliarden auf null kommen

„Es gibt zwei Zahlen, die Sie über den Klimawandel kennen sollten. Die erste ist 51 Milliarden. Die andere ist null.“ Die ersten drei Sätze aus Gates Buch. Mit 51 Milliarden meint er die Menge der Tonnen an Treibhausgasen, die weltweit jedes Jahr freigesetzt werden. Um die Erderwärmung zu stoppen und die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern, müsse man – bei einem durch wachsende Weltbevölkerung und wachsenden Wohlstand gleichzeitig dramatisch steigendem Energiebedarf – auf null Emissionen kommen. Und zwar möglichst bald, spätestens jedoch im Jahr 2050. Die Emissionen nur drastisch zu reduzieren, reiche nicht aus. Um dies zu verdeutlichen vergleicht Gates das bereits aufgeheizte Klima mit einer Badewanne. „Selbst wenn wir den Wasserhahn bis auf ein Tröpfeln zudrehen, wird die Badewanne doch irgendwann überlaufen. Das ist die Katastrophe, die wir verhindern müssen.“ Diese Kraftanstrengung sei – so Gates – das Größte, was die Menschheit je unternommen habe. Schließlich müssten dafür alle Länder ihre Art zu leben und zu wirtschaften grundlegend ändern. Doch Gates glaubt: „Wir können es schaffen.“ Schließlich verfüge die Menschheit schon über einige der Werkzeuge, die dafür nötig seien, die anderen würden noch erfunden werden. Womit wir zu Gates zweiter These kommen.

2. Wir brauchen Innovationen

Egal, ob Industrieproduktion, Stromerzeugung, Landwirtschaft, Verkehr, Kühlen, Heizen oder Anlagen, die CO2 aus der Luft absorbieren – ohne neue „bahnbrechende Technologien“ wird es nicht gelingen, das Null-Emissions-Ziel zu erreichen. Doch wenn es um den menschlichen Erfindergeist geht, ist Gates „ein unverbesserlicher Optimist”. Der Milliardär, der selbst als Risikokapitalgeber aktiv ist, fordert deshalb, auch vor Investitionen „in ein paar verrückte Ideen“ nicht zurückzuschrecken. Er selbst hat über eine Milliarde Dollar in Lösungsansätze investiert, etwa in emissionsarme Varianten von Zement, Stahl und Fleisch. Wichtig sei auch die weitere Erforschung des Geoengineerings. Schließlich könne die umstrittene Methode durch Eingriffe in Ozeane und Atmosphäre irgendwann vielleicht die letzte Möglichkeit sein, den Anstieg der globalen Temperaturen abzusenken.

3. Wir müssen der Atomkraft eine neue Chance geben

Gates plädiert dafür, den Ausbau der erneuerbaren Energie konsequent voranzutreiben. Trotzdem sei eine Zukunft, „in der wir unsere Stromversorgung zu tragbaren Kosten CO2-frei machen könnten, ohne mehr Atomkraft einzusetzen“ für Gates „nur schwer vorstellbar“. Deshalb plädiert er dafür, dass „die Menschheit sich wieder darauf besinnt, den Fortschritt auf dem Gebiet der Kernenergie ernsthaft voranzutreiben“. Die Technik sei einfach zu vielversprechend, um ignoriert zu werden. Das von ihm gegründete Unternehmen TerraPower forscht deshalb an der Entwicklung von Atomreaktoren der nächsten Generation, die sicherer und billiger als bisherige Reaktoren Strom produzieren könnten. Dabei solle zudem viel weniger Atommüll anfallen. Dass die Renaissance der Atomenergie u.a. nach den Reaktorunglücken von Tschernobyl (1986) und Fukushima (2011) und aufgrund des ungelösten Problems der Endlagerung von Atommüll äußerst umstritten ist, ist auch Atomkraft-Fan Gates klar. Dem hält er unter anderem das nicht sehr stichhaltige Argument entgegen, dass jedes Jahr mehr Menschen an Luftverschmutzung durch Kohlekraftwerke sterben, als bislang bei allen Atomunfällen.

4. Wir müssen Ökozuschläge senken

Fossile Brennstoffe sind weltweit verhältnismäßig günstig, weil die Schäden, die sie durch die Erwärmung des Planeten verursachen, nicht eingepreist werden. Für saubere Energiequellen und nachhaltig oder CO2-neutral hergestellte Produkte ist es deshalb oft schwierig, sich gegen konventionelle Energien und Produkte durchzusetzen. Sie sind häufig schlicht teurer. Gates nennt diese Differenz den Ökozuschlag. Um die Klimakatastrophe abzuwenden, müssten diese Ökozuschläge gesenkt werden. Dazu sollten CO2-neutrale Energien und Produkte durch – Sie ahnen es – Innovationen billiger als klimawandelbeschleunigte Produkte werden. Wo dies (noch) nicht möglich sei, sollte der Ökozuschlag so gering ausfallen, dass auch Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern ihn bezahlen könnten. Um diesen Prozess zu beschleunigen, könnten CO2-intensive Technologien u.a. durch steuerliche Maßnahmen oder den Abbau von Subventionen verteuert werden. Womit wir bei Gates fünfter These wären.

5. Wir müssen die Politik zwingen, Vorgaben zu machen

Politiker – so Gates – kümmern sich um das, was ihrer Wähler von ihnen fordern. Darum sollten Bürger und Aktivisten in aller Welt ihre Abgeordneten und gewählten Volksvertreter mit ihrer Stimmabgabe, Briefen, Petitionen und anderen Formen von politischer Betätigung dazu zwingen, den Kampf gegen die Klimaerwärmung zu ihrer Top-Priorität zu machen. Was getan werden müsse, um die Erderwärmung abzubremsen, sei weitestgehend bekannt. Nun müssten Politik und Diplomatie die notwendigen Kompromisse schließen, verbindliche Klimaschutzpläne erstellen und umsetzen.
Da Staaten größere finanzielle Kapazitäten als private Geldgeber haben, fordert Gates zudem, dass sie ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet des Klimaschutzes innerhalb von zehn Jahren verfünffachen sollen. Zudem könne die Politik – unter anderem durch eine wirksame Bepreisung von C02-Emissionen – dazu beitragen, Probleme zu beheben, die der Markt alleine nicht lösen könne. Aufgrund der großen Einflussmöglichkeiten von Staaten hält Gates politisches Engagement deshalb für die wichtigste Maßnahme, die jeder Mensch im Kampf gegen die Klimakatastrophe ergreifen könne.

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