23.07.20 „Corona bringt Entwicklungen, die wir erst in einigen Jahren erwartet hatten“ Hannah Meisters • 4 min.

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Zusammenfassung

Was bedeutet die Corona-Pandemie für die Energiewende? Am besten können das die Menschen beantworten, die sich täglich mit dem Thema beschäftigen. Folge 1: Run Zhang vom vom Think Tank Agora Energiewende.

Wie sieht Ihre tägliche Arbeit aus?

Ich arbeite seit Februar dieses Jahres als Projektmanagerin bei Agora Energiewende in Berlin. Insgesamt sind wir rund 50 Experten, die in verschiedenen Bereichen rund um das Thema Energiewende arbeiten. Ich selbst arbeite im Team International zusammen mit ungefähr 20 Kolleginnen und Kollegen. Wie sind für verschiedene Ländern zuständig – zum Beispiel für Südkorea, Indonesien und Russland. Ich selbst bin Chinesin und arbeite zusammen mit zwei Kollegen in Peking auch zu chinesischen Energiethemen.

Woran arbeiten Sie gerade?

Aktuell erstellen wir an einem leicht verständlichen Überblick über Chinas Energiesektor. Remote zu arbeiten und uns in Zoom-Meetings zu treffen gehört für uns zum Alltag, denn wir müssen sowieso viel mit internationalen Partnern oder auch Kolleginnen, die auf Reisen sind, konferieren – auch wenn ich dafür normalerweise ins Büro gehe und dort einen Teil meiner Kollegen treffe. So sehr hat sich meine Arbeit durch Corona also nicht verändert. Allerdings wollten meine Kollegin und mein Kollege aus Peking im März eigentlich für ein paar Wochen nach Berlin kommen, um uns alle besser kennenzulernen und gemeinsam mit anderen Kollegen zu besprechen, wie es in den kommenden Monaten weitergeht. Das hat wegen Corona nicht geklappt: Meine Kollegin konnte gar nicht erst kommen, mein Kollege musste vorzeitig abreisen und in Peking erstmal zwei Wochen in Hotel-Quarantäne verbringen. Blass ist er geworden. Jetzt organisiere ich ziemlich viele Zoom-Meetings, um die geplatzten persönlichen Treffen so gut wie es geht nachzuholen.

Wie sieht Ihr Corona-Alltag aus?

Ins Büro kommen bei uns auch nach den Lockerungen viel weniger Mitarbeiter als sonst – wir möchten das Risiko klein halten und haben auch gelernt, welche Flexibilität uns die Arbeit aus dem Home-Office bietet. Für wichtige Meetings kommen wir aber inzwischen wieder persönlich zusammen. Meine Kollegen in China haben das Schlimmste bei Corona erstmal überstanden, für sie geht die normale Arbeit wieder los: Sie gehen jeden Tag ins Büro, können wieder ganz normal einkaufen und so weiter. Bis es auch bei uns wieder so ist, haben meine Kolleginnen und Kollegen des internationalen Teams eine neue Gewohnheit entwickelt: Genauso, wie wir normalerweise morgens unseren Kaffee gemeinsam im Büro trinken, treffen wir uns jetzt immer um 9.30 Uhr online – ebenfalls mit einer Tasse Kaffee.

Wie wird sich der Energiemarkt durch die Corona-Krise verändern?

Corona zieht in manchen Teilen des Energiemarktes Entwicklungen vor, die wir erst in einigen Jahren erwartet hatten: Beispielsweise sind durch den gesunkenen Stromverbrauch derzeit viele Kohlekraftwerke überflüssig. Sie werden von Gaskraftwerken ersetzt, denn die sind flexibler und Gas ist gerade viel billiger als Kohle. Ich weiß natürlich auch nicht, ob das dauerhaft so sein wird.

Mit welchem Gefühl blicken Sie auf die kommenden Monate?

In Peking droht schon die zweite Welle. Die Koexistenz von Menschen und Coronavirus könnte die neue Normalität werden, sofern die Massenherstellung von Impfstoffen möglich ist. Da kann man schon vorsichtig werden, aber nervös sollte man nicht sein.

Was hat Sie im Corona-Alltag am meisten überrascht?

Am meistens bin ich überrascht, wie unterschiedlich die Meinungen dazu sind, wie unser gesellschaftliches Leben nach der Corona-Zeit aussehen wird. Das klafft ganz schön auseinander und das macht mich nicht gerade optimistisch, was den gesellschaftlichen Zusammenhalt angeht.


Vor dem Einstieg bei Agora Energiewende arbeitete Run Zhang-Class für einen gelisteten chinesischen Energiekonzern als Country Manager Deutschland und für ein Berliner Start-up, wo sie die Projekte zur Entwicklung digitaler Lösungen leitete. In der Zwischenzeit war Run an gemeinnützigen Projekten im Bereich Energie und Humanität beteiligt. Sie sammelte auch Erfahrungen in der Öl- und Gasindustrie in Projekten in Asien, im Nahen Osten und in Nordafrika für Chinas größten Öl- und Gaskonzern. Run Zhang-Class hat einen Master-Abschluss in Business Administration mit Schwerpunkt auf europäischem Management.

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