Ein grünes Elektroauto auf einer erdigen Straße im Wald

16.08.21 Elektroboom im hohen Norden Autor*in: François Baumgartner • Lesedauer: 2 min.

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Zusammenfassung

Norwegen fährt elektrisch: Schon lange ist das Land Vorreiter auf dem Weg zur klimaneutralen Mobilität. Mehr als die Hälfte aller neu zugelassenen Fahrzeuge hatte dort im Jahr 2020 bereits einen rein elektrischen Antrieb. Und ab 2025 sollen nur noch emissionsfreie Autos zugelassen werden.

Wäre der Wandel zur klimaneutralen Mobilität ein Formel-E-Rennen – Norwegen wäre ganz vorne mit dabei: 77.000 Elektrofahrzeuge wurden dort im Jahr 2020 verkauft, was fast 54 Prozent aller neu zugelassenen Autos entspricht. Würde man die Plug-in-Hybride mitzählen, wären es sogar 75 Prozent. Dafür gibt es mehrere Gründe, vor allem großzügige staatliche Förderungen, Privilegien im Straßenverkehr und eine gut ausgebaute Ladeinfrastruktur im skandinavischen Flächenland.

Der wohl wichtigste Kaufanreiz ist der Wegfall der Luxussteuer (bis zu 45 Prozent auf Oberklasseautos) und der Mehrwertsteuer (25 Prozent) bei rein elektrischen Fahrzeugen. Außerdem sind die Tickets für Fähren und die Steuer auf Firmenwagen um 50 bis 60 Prozent reduziert. Darüber hinaus können Inhaber von E-Autos mautpflichtige Brücken und Tunnel kostenlos nutzen.

Viele Städte verzichten bei Elektrofahrzeugen zudem auf Citymaut und Parkgebühren. In Oslo gibt es sogar ein Parkhaus ausschließlich für E-Autos. Außerdem dürfen die Stromer in den Städten die Busspuren befahren. All das macht E-Mobilität für die Bürger in Norwegen attraktiv. Umgekehrt versucht die Regierung, Verbrenner aktiv vom Markt zu verdrängen: Ab 2023 kann man im Großraum Oslo keine Fahrzeuge mit Diesel- oder Benzinantrieb mehr als Taxis zulassen. Bereits ein Jahr zuvor müssen staatliche Fuhrparks rein elektrisch sein.

Die Illustration zeigt eine Straße mit mehreren Autos umrandet von Bäumen. Ein Elektroauto überholt auf der Busspur.

E-Autos genießen in Norwegen zahlreiche Privilegien (Illustration von Jörn Block)

Dichtes Netz an Ladesäulen

Hinzu kommt in Norwegen die Möglichkeit, selbst auf dem Land an vielen Orten schnell nachzuladen. Derzeit gibt es dort rund 19.100 Ladepunkte, sodass auf eine Stromtankstelle rund 147 Fahrzeuge kommen. Damit liegt Norwegen hinter den Niederlanden (82.300 Ladepunkte, 109 PKWs pro Ladepunkt) auf dem zweiten Platz in Europa. In Deutschland gibt es derzeit rund 47.100 Ladepunkte, sodass auf eine Stromtankstelle 1.014 PKWs kommen – Platz 12 in Europa.

Unterschiede bei der Ladeinfrastruktur

Norwegen und die Niederlande sind führend bei der Zahl der zugelassenem PKWs pro Ladepunkt

Norwegen und die Niederlande sind führend bei der Zahl der zugelassenem PKWs pro Ladepunkt

Reichweitenangst („Rekkeviddeangst“) ist in Norwegen jedenfalls kein Thema mehr: Die Fahrer von E-Autos finden auf fast sämtlichen Hauptverkehrsstraßen alle 50 Kilometer mindestens zwei Schnellladesäulen vor. Kein Wunder also, dass die Norweger auf ihre E-Autos als verlässliche und smarte „Daily Driver“ vertrauen – und sie nicht bloß als Zweit- oder Drittwagen nutzen. Und im Gegensatz zu vielen anderen Ländern ist der Strom dort wirklich „grün“: Er stammt von rund 1.600 Wasserwerken, die in Norwegen stolze 95 Prozent des Stroms erzeugen. Angenehmer Nebeneffekt: Der Ökostrom ist dort deutlich billiger als fossile Brennstoffe wie Benzin und Diesel.

400.000 E-Fahrzeuge bis Ende 2021

Auch in diesem Jahr dürfte sich darum der Boom bei E-Fahrzeugen fortsetzen. Schon heute liegt Norwegen mit seinen lediglich 5,4 Millionen Einwohnern beim Verkauf von Stromern weltweit an vierter Stelle. Und die weiteren Ziele sind ehrgeizig: Das skandinavische Land will bis Ende 2021 auf eine Gesamtanzahl von 400.000 zugelassenen Elektrofahrzeugen kommen. Und ab 2025 sollen alle neu zugelassenen Fahrzeuge emissionsfrei sein. Norwegen fährt voran – elektrisch.

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