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11.10.21 Elektromethanol – die Idee, die die Welt verändern kann Autor*in: Uniper SE • Lesedauer: 5 min.

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Zusammenfassung

Der Transport von jährlich 11 Milliarden Tonnen Gütern in mehr als 800 Millionen Containern über die Weltmeere bildet das Kernstück des globalen Handels. Die dafür eingesetzten Schiffe werden jedoch fast ausschließlich mit fossilen Kraftstoffen angetrieben. Liquid Wind, eine in Göteborg, Schweden, ansässige Firma, hat eine mögliche Lösung für dieses Problem.  

Wie bei den meisten Dingen auf dieser Welt begann auch hier alles mit einer Idee. An einem ungewöhnlich warmen Oktobertag im Jahr 2015 hatte Claes Fredriksson während einer Konferenzpause in Göteborg einen Geistesblitz: Wie wäre es, wenn man aus Wasserstoff und Kohlendioxid einen fossilfreien Elektrokraftstoff, E-Methanol, als Ersatz für die fossilen Kraftstoffe entwickeln könnte, die derzeit von den Schiffen verwendet werden? 

Claes Fredriksson, CEO Liquid Wind

Claes Fredriksson, CEO Liquid Wind

„Dieser Gedanke kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel“, erinnert sich Claes Fredriksson, CEO des schwedischen Unternehmens Liquid Wind. „Von diesem Tag an habe ich nicht mehr aufgehört, daran zu arbeiten. Wir brauchen eine einfache Alternative zu fossilen Kraftstoffen, die unsere bereits bestehenden Lieferketten nutzen kann. Alle anderen Lösungen sind zu klein dimensioniert. Die Menge an Elektrokraftstoffen, die wir produzieren können, ist bei unserer Lösung nur davon abhängig, wie viel Strom und Kohlendioxid zur Verfügung stehen.“ 

Biogenes Kohlendioxid ist klimaneutral

Die Quelle des Kohlendioxids ist besonders wichtig. Jede Tonne fossiler Energie, die dem Boden entnommen wird, erzeugt bei ihrer Verbrennung drei Tonnen Kohlendioxid. Bei Elektrokraftstoff auf Basis von biogenem Kohlendioxid ist der Klimaeffekt dagegen neutral. Man kann sagen, dass Liquid Wind sich das Kohlendioxidmolekül ausleiht, um es an ein Wasserstoffmolekül zu binden, um dann das Kohlendioxid nach der Verbrennung wieder an die Atmosphäre abzugeben. Da das biogene Kohlendioxid Teil des natürlichen Kreislaufs ist, wird der Atmosphäre kein neues Kohlendioxid zugeführt. 

Claes Fredriksson, CEO Liquid Wind

Claes Fredriksson, CEO Liquid Wind

„Wir haben eine absolut neutrale Lösung, die für jede Tonne Kraftstoff drei Tonnen Kohlendioxid einspart“, so Fredriksson. „Darüber hinaus ist die erforderliche Logistik für die Lagerung und den Transport unseres Kraftstoffs in Tanks und die Verbrennungin Schiffen oder Lastwagen bereits vorhanden. Man muss das Rad nicht neu erfinden. Deshalb glauben wir, dass unser Weg effizienter sein kann als neue und unerprobte Lösungen.“ 

Das von Liquid Wind verwendete Kohlendioxid stammt aus dem mit Biobrennstoff betriebenen Hörneborg-Heizkraftwerk in Örnsköldsvik, im Norden Schwedens. Künftige Anlagenkönnen in Verbindung mit der Zellstoff- und Papierindustrie oder Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen errichtet werden.  

Die Schiffe der Welt brauchen eine groß angelegte und kohlenstoffneutrale Alternative

Claes Fredriksson hat große Pläne für Liquid Wind, die jedoch auch Herausforderungen mit sich bringen. Alle Handelsschiffe der Welt zusammen verbrauchen etwa 3.500 TWh Energie pro Jahr, was etwa 700 Millionen Tonnen Methanol entspricht. Heute beläuft sich die weltweite Jahresproduktion auf 100 Millionen Tonnen Methanol, das hauptsächlich aus Erdgas hergestellt wird. Einige dieser Schiffe können elektrifiziert werden, vor allem diejenigen, die auf Küstenrouten verkehren. Die meisten brauchen jedoch flüssige Kraftstoffe. Andere Biokraftstoffe, die beispielsweise aus Schlachtabfällen oder Palmöl hergestellt werden, sind durch das Angebot an Rohstoffen begrenzt. Dieses Problem haben Elektrokraftstoffe nicht. Der Plan von Liquid Wind, fossilfreies E-Methanol zu produzieren, kann daher ein wichtiges Puzzlestück für den Übergang zu fossilfreien Kraftstoffen sein.  

Niemand kann alles tun, aber wir alle können etwas tun

Claes Fredriksson hat seit seiner Kindheit eine globale Perspektive. Seine Eltern arbeiteten im Ausland – sein Vater war für den schwedischen Exportschlager SKF tätig –, sodass Claes Fredriksson während seiner gesamten Laufbahn die Welt als Basis nutzte. Eins hat Claes Fredriksson dabei sicher gelernt: Er weiß, wie man verschiedene Interessengruppen für gemeinsame Projekte gewinnt. Letztendlich geht es darum, dass niemand alles tun kann, aber wir alle etwas tun können, um etwas zu bewirken. Dies hat unter anderem dazu geführt, dass Uniper als Partner bei Liquid Wind eingestiegen ist. 

Claes Fredriksson, CEO Liquid Wind

Claes Fredriksson, CEO Liquid Wind

„Als wir die Gespräche mit Uniper begannen, waren wir von der Entschlossenheit und Schnelligkeit beeindruckt. Es war vom ersten Tag an ein positiver Dialog“, erklärt Fredriksson. „Wir gehen davon aus, dass wir im Herbst 2022 mit dem Bau der Elektrokraftstoffanlage und Anfang 2024 mit der Lieferung des Produkts beginnen können. Voraussetzung ist, dass wir einen Vertrag mit einem Großkunden abschließen und dass der Dialog mit der Stadtverwaltung und dem Landratsamt positiv verläuft, damit wir die Genehmigungen erhalten.“

Die Zeit ist reif für Elektrokraftstoffe

Wie so vieles im Leben ist auch der Erfolg oft eine Frage des Timings. Es scheint, als käme Liquid Wind genau zum richtigen Zeitpunkt. Die weltgrößte Reederei, Danish Maersk, hat vor kurzem angekündigt, dass sie in acht neue, mit Methanol betriebene Schiffe investieren wird. Allein diese Schiffe brauchen jährlich 360.000 Tonnen Kraftstoff. Liquid Wind könnte zunächst 50.000 Tonnen liefern und plant, die Kapazität in einigen Jahren auf bis zu 500.000 Tonnen zu erhöhen.  

Die Entscheidung von Maersk ist besonders erwähnenswert. Das Unternehmen vermeidet es bewusst, den Preis des fossilfreien Methanols mit dem der fossilen Optionen zu vergleichen. Stattdessen ist man der Meinung, dass Kunden mit besonders hohen Klimazielen bereit sind, die zusätzlichen Kosten in Kauf zu nehmen.  

Fredriksson ist jedoch der Ansicht, dass es in Schweden an politischen Anreizen mangelt, um die Entwicklung von Elektrokraftstoffen zu beschleunigen, die dort hervorragend produziert werden können. „Jeder weiß, dass Veränderungen notwendig sind und dass wir in Schweden eine sehr wichtige Forstindustrie haben“, erklärt er. „Diese spielt bei der Produktion von Biokraftstoffen eine große und wichtige Rolle. Leider haben die Politiker bisher nicht erkannt, dass Biokraftstoffe mit biogenem Kohlendioxid aus der Forstwirtschaft ein attraktives Exportgut sind, das Schweden eine herausragende Stellung bei den Schiffskraftstoffen verschaffen kann. Es ist wichtig, dass die Politik aufwacht – sonst laufen wir Gefahr, dass sich die Investoren für andere Länder entscheiden, die die Produktion umweltfreundlicher Kraftstoffe im großen Stil schneller ermöglichen.“ 

Wer hätte sich vor 20 Jahren vorstellen können, dass die Kombination von Wasserstoff, Strom aus Windkraftanlagen und etwas Kohlendioxid aus schwedischen Wäldern eine der wichtigsten Antworten auf die globalen Klimaprobleme sein würde? Und dass alles auf einer Konferenz begann. Ob das mehr über Konferenzen oder über Claes Fredriksson aussagt, sei dahingestellt. Vielleicht lernen wir aber auch dadurch, dass Kreativität und Innovation durch das Zusammentreffen verschiedener Menschen und Branchen entstehen.


Uniper trägt mit Wasserstoffkompetenz bei 

Die Schifffahrtsindustrie verbraucht jedes Jahr 350 Millionen Tonnen fossile Kraftstoffe. E-Methanol bietet die Möglichkeit, auf eine nachhaltigere Alternative umzusteigen. Wenn die Industrie alle derzeit verwendeten fossilen Brennstoffe durch E-Methanol ersetzt, werden die fossilen Kohlenstoffemissionen schätzungsweise um mehr als 90 Prozent sinken. Die starke Kompetenz von Uniper im Bereich Wasserstoff wird für Liquid Wind von Nutzen sein, während Uniper gleichzeitig Wissen und Erfahrung im Bereich Elektrokraftstoffe gewinnt.  

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