17.09.21 Investitionen in die klimaneutrale Zukunft Autor*in: Christian Buck • Credits: Getty Images/Ivan Bajic • Lesedauer: 3 min.

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Zusammenfassung

Die Auswirkungen des Klimawandels werden immer sichtbarer. So stehen vor allem die Industrienationen vor der großen Herausforderung, die selbstgesteckten Klimaziele nicht zu verfehlen. Sei es der Umstieg auf erneuerbare Energien, der Netz- und Infrastrukturausbau oder die Entwicklung neuer (Brücken-) Technologien – Investitionen in nachhaltige und klimaneutrale Vorhaben sowie deren Finanzierung spielen dafür eine immer bedeutendere Rolle.

Gleichzeitig stellen neue Regulierungen wie die EU-Taxonomie Unternehmen vor neue Herausforderungen. Umso wichtiger ist, dass das Ziel einer klimaneutralen Zukunft und der Erhalt deutscher und europäischer Wertschöpfungsketten nicht aus dem Blick verloren werden. Der Energie-Report gibt ein Stimmungsbild zur nachhaltigen Transformation in der Energiewirtschaft wieder.

Für die aktuelle Umfrage wurden zwischen dem 20. Juli 2021 und dem 9. August 2021 mindestens 500 energiepolitische Entscheider:innen zur aktuellen Stimmungslage in der Branche zur Bedeutung von Brückentechnologien und zu politischen Rahmenbedingungen befragt.

Aus den Umfrageergebnissen lassen sich dabei folgende vier zentrale Thesen ableiten:

1. Energiepolitische Entscheider:innen bevorzugen einen marktorientierten Ansatz zur Umsetzung der Klimaziele bis 2045.

Neben Investitionen in Brückentechnologien hat der Staat eine Vielzahl an weiteren Instrumenten, um die Energiewirtschaft bei der Dekarbonisierung zu unterstützen. So favorisieren 72,2 Prozent der Energieentscheider:innen einen marktorientierten Ansatz.

Sollte der Staat bei dem Ziel der Klimaneutralität bis 2045 eher auf technologieoffene Sektorziele für die Industrie oder auf detaillierte Vorschriften für Sektoren setzen?

Nur 11,1 Prozent der befragten Entscheider:innen glauben beispielsweise, dass der Staat auf detaillierte Vorschriften für Sektoren setzen sollte. Vergleicht man weitere Politikinstrumente, hat das Beschleunigen von Genehmigungsverfahren mit 46,7 Prozent die größten Zustimmungswerte.

Sollte der Staat aus Ihrer Sicht Energieunternehmen auf dem Weg zur Klimaneutralität eher durch Subventionierung oder Steuererleichterungen für CO2-freie Technologien unterstützen?


2. Unter den Energieentscheider:innen herrscht große Skepsis, dass die Energiewirtschaft bis 2045 klimaneutral wird.

Die Energiewende hat einen bedeutenden Anteil an der Senkung der Treibhausgasemissionen. Jedoch sind die energiepolitischen Entscheider:innen wenig zuversichtlich, dass die Energiewirtschaft bis 2045 klimaneutral werden kann. Nur 28,7 Prozent der Befragten denken, dass die Vorgaben in diesem Zeitrahmen erfüllbar sind. So glaubt mehr als jeder zweite der Befragten, dass die Energiewirtschaft erst nach 2050 klimaneutral werden kann.

Wird es die Energiewirtschaft Ihrer Einschätzung nach schaffen, bis 2045 klimaneutral zu werden?

3. Brückentechnologien werden in der Energiewirtschaft als entscheidender Faktor auf dem Weg zur Klimaneutralität wahrgenommen.

Brückentechnologien können auf dem Weg zur Klimaneutralität ein entscheidender Faktor sein. 77,2 Prozent der Befragten betrachten Brückentechnologien als essenziell zur Erreichung der Klimaziele. Fast die Hälfte der energiepolitischen Entscheider:innen sehen Wasserstoff als Schlüsseltechnologie mit den größten Entwicklungsmöglichkeiten. Das Potenzial durch Elektrifizierung (zum Beispiel für Mobilität oder Wärme) als auch durch synthetische Kraftstoffe sehen jeweils nur ungefähr 19 Prozent der befragten Personen.

Wie wichtig sind Ihrer Einschätzung nach Brückentechnologien (z. B. blauer Wasserstoff) auf dem Weg zur Klimaneutralität im Bereich de Energiewirtschaft?

4. Der Staat sollte durch Verlagerung von bestehenden Investitionen das Erreichen der Klimaziele bis 2045 finanzieren.

Bei der wichtigen Frage, wie der Staat den hohen Investitionsbedarf in eine klimaneutrale Zukunft finanzieren soll, erhalten Steuererhöhungen und Neuverschuldung die geringsten Zustimmungswerte. Stattdessen erhält die Umschichtung bestehender Investitionen mit 38,7 Prozent die höchste Zustimmung. Im Gegensatz dazu werden Maßnahmen wie Steuererhöhungen für Bürger:innen oder Unternehmen, die Neuverschuldung bzw. Aussetzung der Schuldenbremse eher kritisch gesehen. Die zweitmeisten Zustimmungswerte erhielten hingegen Finanzierungsinstrumente, die nicht weiter benannt wurden.

Wie soll der Staat aus Ihrer Sicht die notwendigen Investitionen finanzieren, um bis 2045 klimaneutral zu werden?

Fazit

Die Umsetzung der Klimaziele der Europäischen Union, der Bundesregierung sowie des Pariser Klimaabkommens sind von enormer Bedeutung, um die Folgen des Klimawandels zu reduzieren. Auch wenn Deutschland im Jahr 2020 pandemiebedingt die Klimaziele erreicht hat, zeigt der voraussichtliche Anstieg der Treibhausgasemissionen um rund 47 Millionen Tonnen CO₂ gegenüber dem Vorjahr, dass die Herausforderungen für alle Sektoren enorm sind.

Die Umfrage skizziert mögliche Wege hin zu einer klimaneutralen Energiewirtschaft. Zum einen sind energiepolitische Entscheider:innen weiterhin von der Schlüsselrolle der Brückentechnologien und von einem marktorientieren Ansatz für die Erreichung der Klimaziele überzeugt. Die vorliegende Befragung zeigt jedoch auch, dass die Skepsis unter den energiepolitischen Entscheider:innen hinsichtlich der Einhaltung der Klimaziele groß ist. Umso wichtiger ist es in der kommenden Legislaturperiode, die Rahmenbedingungen für die Energiewirtschaft, aber auch für alle anderen Sektoren, auszugestalten, um Deutschlands und Europas internationale Wettbewerbsfähigkeit nicht nur zu erhalten, sondern zu stärken.

→ Der Energie-Report steht hier zum Download zur Verfügung.


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