18.08.20 Gas ist der ideale Wegbereiter für den Erfolg der Energiewende Autor*in: Andreas Schierenbeck, Vorstandsvorsitzender Uniper SE • Lesedauer: 6 min.

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Zusammenfassung

In den kommenden Jahren entscheidet sich der Erfolg der Energiewende in Europa. In Deutschland werden bis 2022 alle Kernkraftwerke vom Netz genommen, zudem geraten europaweit ältere Kohlekraftwerke zunehmend unter politischen und kommerziellen Druck. Die Erneuerbaren Energien entwickeln sich zum neuen, starken Fundament einer modernen und nachhaltigen Energieversorgung. Als Katalysator für eine zukünftige grüne Energieversorgung wird Erdgas für viele Jahre unverzichtbar und damit ein effizienter und verlässlicher Partner der Erneuerbaren Energien sein. Erdgas gewährleistet die sichere Versorgung der Grundstoffindustrie und bietet eine ideale Grundlage für den Aufbau einer wettbewerbsfähigen Wasserstoffwirtschaft. Europa ist bei sinkender eigener Erdgasförderung aus der Nordsee gut beraten, weiter auf eine global ausgerichtete Diversifizierung seiner Erdgasquellen zu setzen, das heißt auch den Gasimport über verflüssigtes Erdgas, also LNG, zu fördern.

Der Europäische Binnenmarkt für Strom und Gas ist die Herzkammer bei der Umsetzung des „New Green Deals“, mit dem die EU den Wiederaufbau nach Corona und die weitere Dekarbonisierung der europäischen Volkswirtschaften verbinden will. Strom und Gas sind die entscheidenden Bausteine für den Ausbau der Erneuerbaren Energien und die Schaffung einer neuen, wasserstoffbasierten Energieversorgung sowie Garant einer effizienten und sicheren Energieversorgung. Strom können wir schon heute wettbewerbsfähig auf Basis grüner Energien herstellen. Bei Wasserstoff sind wir auf dem Wege zu solchen Lösungen, die in einigen Jahren dann auch die Herstellung „grünen Gases“ in großen Volumina ermöglichen.

Andreas Schierenbeck, CEO Uniper SE

Bis dahin bleibt das CO2-arme Erdgas ein wichtiger Eckpfeiler der Energietransformation. Weltweit wird der Erdgasbedarf bis 2040 um ca. 45% zulegen, der weltweite Wettbewerb um Erdgas wird härter. Die Förderung aus eigenen Quellen geht in Europa jedoch deutlich zurück. Um diese Lücke zu schließen, ist der Ausbau der vorhandenen Import-Infrastruktur elementarer Bestandteil der Sicherung der zukünftigen Energieversorgung.

Aus Norwegen wird künftig aufgrund sinkender Produktion weniger Erdgas geliefert werden. Die Gasproduktion im niederländische Erdgasfeld Groningen erreicht viel früher als ursprünglich geplant, voraussichtlich schon 2023 oder 2024, ihr Ende. Nordafrika wird künftig weniger liefern können, weil es einen steigenden Eigenbedarf zu decken hat. Damit bleiben für Europa zwei sichere Importquellen, um den zukünftigen Bedarf zu decken: zum einen der Ausbau der LNG-Infrastruktur und zum anderen ein steigender Import aus Russland, das über die weltweit größten Erdgasvorkommen verfügt. Uniper setzt seit vielen Jahren erfolgreich auf ein breites Bezugsportfolio und eine Nutzung möglichst vieler Bezugsquellen und Liefertechnologien.

LNG schafft Flexibilitäten

Bei LNG liegt der Vorteil auf der Hand: Durch Verflüssigung reduziert das Gas sein Volumen auf etwa ein Sechshundertstel und kann in diesem Zustand effizient und sicher per Schiff transportiert werden. Über den LNG-Handel können Unternehmen wie Uniper die attraktiven Möglichkeiten der internationalen Erdgasmärkte flexibel nutzen. Entsprechend baut Uniper seine LNG-Aktivitäten weltweit weiter deutlich aus. Am Standort Wilhelmshaven plant Uniper mit Partnern das erste deutsche LNG-Terminal, das etwa ein Zehntel des deutschen Erdgasverbrauchs bedienen kann.

Nord Stream 2 schafft Versorgungssicherheit

Die zweite wichtige Säule zur Diversifizierung und Versorgungssicherheit ist der Ausbau von bzw. die Beteiligung an Gaspipelines, die Europa direkt mit den weltgrößten Erdgasvorkommen in Russland verbindet. So wurde 2011 die Pipeline Nord Stream 1 eröffnet, für das Frühjahr 2021 ist die Eröffnung von Nord Stream 2 geplant. Uniper ist einer der Finanzierungspartner von Nord Stream 2. Der Bau befindet sich aktuell in der Schlussphase, es fehlen lediglich noch wenige Kilometer bis zur deutschen Küste.

Nord Stream 2 wird die Versorgungssicherheit auf dem Europäischen Energiebinnenmarkt deutlich erhöhen und eine notwendige Ergänzung zu den existierenden Transportrouten darstellen. Zur Deckung der wachsenden Importlücke ist neben Nord Stream 2 aber eine weitere Stärkung der Importinfrastruktur, etwa durch die Errichtung weiterer LNG-Terminals, notwendig. Europa sollte die ökologischen, ökonomischen und versorgungspolitischen Vorteile eines diversifizierten Gasbezugsportfolios nutzen, zu dem auch zukünftig der Import russischen Gases gehören wird. Russland ist für seine Handelspartner – z.B. Deutschland in der Gasversorgung und die USA für den Rohölbezug – ein über Jahre und Jahrzehnte verlässlicher und kalkulierbarer Partner gewesen. Dies darf in der aktuell sehr hitzigen politischen Lage um mögliche Sanktionen der USA nicht außer Acht gelassen werden.

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