23.04.20 Nachwachsendes Gold: Das Holz-Depot Hans-Joachim Ziegler • 6 min.

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Zusammenfassung

Viele Menschen träumen davon, ein eigenes Stück Forst zu besitzen. Aber welche Vorteile und Risiken birgt diese Art der Geldanlage - und: lässt sich dabei auch noch das Klima schonen?

"In diesen Herbsttagen gehe ich besonders gern, am liebsten unmittelbar nach dem Regen, durch unseren Wald.“ So erzählt es Erimar von der Osten im Nachhaltigkeitsmagazin Enorm. „Es mag abgegriffen klingen, aber im Wald, nach Regen, wird einen mit allen Sinnesorganen vermittelt, was Nachhaltigkeit bedeutet.“

Wer geht nicht gern durch unseren Wald – durch die Natur, die wir Menschen uns zu eigen machen, einfach indem wir sie besuchen und genießen? Und wer hat da noch nie so ein Gefühl bekommen, die ewige, natürliche Ordnung aus nächster Nähe zu erleben?

Nur: der Wald, den von der Osten hier „unser“ nennt, gehört ihm nicht nur auf emotionale Weise. Gemeint ist stattdessen “sein” auch im juristischen Sinn eigenes Stück Land – seiner Familie gehört ein großes Waldgebiet im Norden Brandenburgs. Auch meint er mit „Nachhaltigkeit“ nicht nur die perfekt aufeinander abgestimmten Kreisläufe der Natur. Die Rede ist nicht zuletzt von wirtschaftlicher Nachhaltigkeit.

Für von der Osten ist der Wald ein Ort, an dem sich die scheinbaren Gegensätze Natur und Wirtschaft, Vernunft und Emotion mühelos verbinden. Ein Waldstück zu besitzen sei „das naturnaheste, nachhaltigste und langfristigste Investment, das jeder von uns machen kann“, schreibt er. Von so einem Investment träumen in Zeiten von Niedrigzinsen auf der einen und Klimawandel auf der anderen Seite viele Menschen. Aber: Lässt sich mit deutschen Bäumen wirklich echtes Geld verdienen?

Der heimische Wald als Geldanlage

Wie das „von“ im Namen des Autors schon vermuten lässt, befindet sich ein Großteil des privat bewirtschafteten deutschen Waldes im Besitz des Adels. Und der lebt nach dem Grundsatz, dass man Wald nicht verkauft, sondern an die nächste Generation weitergibt. Eine der größten Hürden beim Waldkauf ist darum, dass kaum größere Grundstücke auf dem Markt sind. Direktinvestitionen lohnen sich jedoch erst ab eine Fläche von rund 100 Hektar.

Für so eine Stück Land zahlt man in Deutschland – wenn sich doch mal die Gelegenheit bietet – zwischen einer und drei Millionen Euro plus Grunderwerbsteuer, Notar und Gebühren. Dazu kommen die Kosten für den Dienstleister, der das Gebiet in Zukunft bewirtschaftet. Kurz: Die Vorlaufkosten sind hoch.

Bis die ersten Gewinne erwirtschaftet werden, kann es dagegen Jahre, oft Jahrzehnte dauern, und die Rendite – die hauptsächlich durch den Verkauf von Holz erwirtschaftet wird – ist vergleichsweise klein. Der Wirtschaftswoche erklärte Michael Rolland, Geschäftsführer bei der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW): „Von Gewinnerwartungen wie an der Börse kann bei Überschüssen von ein bis maximal zwei Prozent im Jahr in Deutschland nicht die Rede sein.“

Reich wird man auf diese Weise also nicht werden. Dafür bietet die Investition in den heimischen Wald ein recht hohes Maß an Sicherheit und Stabilität. Dazu kommt das gute Gefühl, einen Beitrag zum Erhalt der Natur zu leisten. Denn wer nachhaltig wirtschaftet, sichert den Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen und hilft, Kohlenstoff, der ansonsten unsere Atmosphäre aufheizen würde, in Bäumen zu festzuhalten. Dieser Beitrag zum Klima könnte in Zukunft außerdem zur potenziellen Einkommensquelle werden. So fordern bereits einige Interessengruppen, Waldbesitzer für das CO2 zu vergüten, welches in ihrem Besitz gebunden wird.

Holz als nachhaltige Geldanlage?

Baumplantagen im Ausland: eine lohnende Alternative?

Wer auf hohe Gewinne aus ist, der kann versuchen, außerhalb Deutschlands in Wälder zu investieren. Hier finden sich eine Vielzahl von Anbietern, die mit teils zweistelligen Renditeversprechen werben. Die betreffenden Bäume, in die man entweder direkt oder über Investmentgesellschaften investieren kann, stehen jedoch häufig auf Plantagen in fernen Ländern, zum Beispiel in Südamerika. Entsprechend schlecht sind die Kontrollmöglichkeiten, der Anlegerschutz ist oft unzureichend. Aber auch bei seriösen Angeboten bleibt das Anlagerisiko hoch: Naturkatastrophen und Schädlingsbefall können Investitionen auch mal komplett zunichtemachen. Und beim Holzpreis, von dem die Rendite unmittelbar abhängt, kommt es immer wieder zu erheblichen Schwankungen.

Anders als bei Investitionen in den deutschen Wald werden die Nachteile hier außerdem nur selten durch ökologische oder soziale Aspekte wettgemacht. Bei Plantagen im Ausland handelt es sich häufig um Monokulturen, welche die Fruchtbarkeit des Bodens auf lange Sicht zerstören und den meisten Tieren kaum zum Lebensraum taugen – nicht zuletzt aufgrund des intensiven Einsatzes von Pestiziden.

Es wundert darum nicht, dass die Stiftung Warentest 2018 sämtliche Direktinvestments dieser Art mit „mangelhaft“ bewertet hat: Nach Einschätzung der Organisation „sind die Prospekte (der einschlägigen Anbieter) in vielen Punkten intransparent. Auch sind die Risiken deutlich höher als die Renditechancen. Im schlimmsten Fall können Investoren ihr gesamtes Geld verlieren.“ Der heimische Wald ist letzten Endes also wohl doch besser als Investitionsmöglichkeit geeignet. Dennoch gilt:

Wer nur eine Menge Holz machen will, sollte lieber nicht in Wälder investieren.

Neben den finanziellen Interessen sollten darum unbedingt auch andere Aspekte eine Rolle spielen: Schon ein kleines Stück Wald kann zum Beispiel den Eigenbedarf an Feuerholz decken, ab 75 Hektar darf man in seinem Wald sogar jagen.

Der beste Grund, sich ein kleines Stück Wald zu kaufen, ist vielleicht aber dieser: Wer Wald besitzt, hat einen echten, greifbaren Anteil an der Natur, deren Kostbarkeit uns heute täglich bewusster wird. Aus der Verantwortung für ein Stück Wald kann auf diese Weise schnell ein Verantwortungsgefühl für die gesamte Erde erwachsen. Und das darf, wenn wir unsere Umwelt bewahren wollen, auf keinen Fall ein Privileg des Adels bleiben.

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