14.06.21 Keine Energiewende ohne mineralische Rohstoffe Autor*in: Katharina Lehmann • Lesedauer: 5 min.

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Zusammenfassung

Sie sind schwer zu fördern und in der Hand nur einiger weniger Staaten: Mineralien, die für den Umbau der Energieversorgung unverzichtbar sind. In einer Studie zeigt die Internationale Energieagentur, dass die Nachfrage nach ihnen in den kommenden 20 Jahren geradezu explodieren dürfte.

Die weltweite Energiewende erhöht den Bedarf an mineralischen Bodenschätzen massiv. Er könnte in den kommenden zwei Jahrzehnten je nach Szenario um den Faktor zwei bis sechs steigen. Zu dieser Einschätzung kommt die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrer Studie „The Role of Critical Minerals in Clean Energy Transitions“.

Explodierender Rohstoffbedarf

Die Nachfrage nach mineralischen Rohstoffen wächst durch den Ausbau der erneuerbaren Energien – je nach Ausbauszenario auf bis das Sechsfache (STEPS: Stated Policies Scenario, SDS: Sustainable Development Scenario, Net-Zero: Nullemissionen bis 2050).

„Kritische Mineralien wie Lithium, Kobalt, Kupfer, Nickel und Seltene Erden sind die essenziellen Bestandteile des zukünftigen Energiesystems der Welt“, erklärt Fatih Birol, Exekutivdirektor der IEA. Kein Wunder: Für die Elektromobilität werden beispielsweise Lithium, Nickel, Kobalt, Mangan und Graphit benötigt. Sie sind entscheidend für die Leistung von Batterien sowie für deren Langlebigkeit und Energiedichte. Seltene Erden sind unverzichtbar für die Permanentmagnete in Elektromotoren und Windkraftanlagen. Insgesamt benötigt etwa eine Onshore-Windkraftanlage neunmal mehr Mineralien als ein Gaskraftwerk ähnlicher Größe – allen voran Kupfer, Nickel, Mangan, Zink und Seltene Erden. Und auch die künftig benötigten Kapazitäten an Energiespeichern und Photovoltaikanlagen erfordern ein Vielfaches der Menge an Bodenschätzen, die heute gefördert wird – darunter vor allem Silizium und Kupfer.

Mehrverbrauch im Transport- und Energiesektor

Ein typisches Elektroauto benötigt sechsmal mehr Mineralien als ein konventionelles Fahrzeug. Beim Bau einer Onshore-Windkraftanlage werden neunmal mehr mineralische Ressourcen als bei einem Gaskraftwerk verbraucht (bei gleicher Leistung).

Darum steigt laut IEA die Gesamtnachfrage nach Seltenen Erden in den kommenden 20 Jahren je nach Ausbau der erneuerbaren Energien auf etwa das Siebenfache. Der Bedarf an Nickel und Kobalt werde sich den Berechnungen zufolge auf das 19- beziehungsweise 21-Fache erhöhen. Die Graphit-Nachfrage steige um den Faktor 25 und die nach Lithium sogar um den Faktor 42. Schon heute haben den IEA-Berechnungen zufolge Elektroautos und Batteriespeicher die Unterhaltungselektronik als größten Lithiumverbraucher verdrängt.

„Der Übergang zu einem sauberen Energiesystem wird zu einem enormen Anstieg des Bedarfs an diesen Mineralien führen“, heißt es in der Studie. Die Folge: Der Energiesektor, der bis Mitte der 2010er Jahre nur einen kleinen Teil dieser Bodenschätze nachfragte, wird zu einem der wichtigsten Treiber am Rohstoffmarkt. Zwar gibt es der IEA zufolge keinen Mangel an Ressourcen – die Versorgung mit kritischen Mineralien werde aber dennoch zu einem zentralen Faktor der Energiesicherheit.

„Die Daten zeigen ein drohendes Missverhältnis zwischen den verstärkten Klimaambitionen der Welt und der Verfügbarkeit kritischer Mineralien, die für die Verwirklichung dieser Ambitionen unerlässlich sind“, warnt Birol. Denn im Gegensatz zum Öl – einem weltweit produzierten und auf liquiden Märkten gehandelten Rohstoff – beschränkt sich die Förderung, Produktion und Verarbeitung von Bodenschätzen wie Lithium, Kobalt und Seltenen Erden auf wenige Länder: Hier kontrollieren die drei Top-Produzenten mehr als drei Viertel der weltweiten Förderung. So stammten 2019 rund 70 Prozent des weltweit genutzten Kobalts aus der Demokratischen Republik Kongo und 60 Prozent der Seltenen Erden aus der Volksrepublik China. Die asiatische Supermacht bereitete zudem rund 35 Prozent des weltweit genutzten Nickels, 50 bis 70 Prozent des Lithiums und Kobalts und fast 90 Prozent der Seltenen Erden in ihren Raffinerien auf.

Doch es ist laut IEA nicht nur die Konzentration auf wenige Förder- und Verarbeitungsländer, die die Versorgungssicherheit einer auf erneuerbaren Energien und E-Mobilität basierenden Energielandschaft gefährdet. Auch die komplexen und damit störanfälligen Lieferketten, Handelsbeschränkungen oder politische Unwägbarkeiten in den Produktionsländern gefährdeten das Fortschreiten der Energiewende. Zudem werde es immer schwieriger, die Mineralien abzubauen, da die am besten erschließbaren Vorkommen bereits ausgebeutet werden. Um neue Minen zu erschließen, brauche es mehr als 16 Jahre.

„Wenn diese potenziellen Schwachstellen nicht angegangen werden, könnten sie den globalen Fortschritt in Richtung einer sauberen Energiezukunft langsamer und kostspieliger machen – und damit die internationalen Bemühungen zur Bekämpfung des Klimawandels behindern“, so Birol. Die gesicherte Verfügbarkeit kritischer Mineralien müsse deshalb Teil eines jeden Energieversorgungssicherheitssystems sein.

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