11.03.22 Neuordnung der deutschen Energieimporte Autor*in: Christian Buck • Lesedauer: 3 min.

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Zusammenfassung

Der Krieg in der Ukraine hat bei der Bundesregierung zu einem Umdenken bei der Energieversorgung Deutschlands geführt. Insbesondere beim Gas soll die Abhängigkeit von Russland sinken. Flüssiggas (LNG) gilt als kurzfristig verfügbare Alternative, weswegen die Planungen für den Bau eines entsprechenden Terminals in Wilhelmshaven wieder Fahrt aufnehmen. Langfristig soll dort eine „grüne Energiedrehscheibe“ entstehen.

Als rohstoffarmes Land hängt Deutschland stark von Energieimporten aus vielen Teilen der Welt ab. Zum Beispiel beim Erdgas: Mehr als 90 Prozent davon stammen aus dem Ausland – alleine im vergangenen Jahr hat Deutschland knapp 90 Milliarden Kubikmeter Erdgas importiert. Über die Hälfte dieser Menge (circa 55 Prozent) kam aus Russland. Beim Erdöl ist der Anteil etwas geringer, mit etwa einem Drittel aber ebenfalls sehr hoch. Andere Lieferländer wie Norwegen oder die Niederlande können das russische Gas und Öl kurzfristig nicht ersetzen.

Aufgrund des Krieges in der Ukraine arbeitet die Bundesregierung derzeit daran, die Abhängigkeit Deutschlands von russischen Rohstoffexporten zu verringern. Dabei kommt es auf zwei Dinge an: die kurzfristige Versorgungssicherheit in Deutschland und Europa sowie den schnellstmöglichen Umstieg auf andere Lieferanten.

Versorgung sicherstellen

Zunächst müssen nach Ansicht der Bundesregierung die bestehenden Energieströme im Rahmen der geltenden Verträge mit Russland aufrechterhalten werden – damit sich private und gewerbliche Verbraucher auch weiterhin auf die Lieferungen verlassen können. „Die Versorgung Europas mit Energie für die Wärmeerzeugung, für die Mobilität, die Stromversorgung und für die Industrie kann im Moment nicht anders gesichert werden“, so Bundeskanzler Olaf Scholz . Auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft hat vor einem Embargo russischer Energielieferungen gewarnt. Er befürchtet in diesem Fall massive negative Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft und die Verbraucher .
Zugleich gilt es nach Ansicht der Politik jetzt aber auch, die Energieversorgung für Deutschland und Europa kurz-, mittel- und langfristig vielfältiger aufzustellen – denn das macht sie weniger anfällig für geopolitische Risiken. „Der wirkliche Weg zur energiepolitischen Unabhängigkeit ist der Ausstieg aus den fossilen Energien“, argumentiert Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck . „Die Sonne und der Wind gehören eben niemandem.“ Allerdings wird es noch Jahre dauern, bis Deutschland beispielsweise seinen Stromverbrauch zu 100 Prozent mithilfe von Wind und Sonne decken kann. Darum wird nun wieder intensiv über längere Laufzeiten von Kohlekraftwerken und eine Verschiebung des Atomausstiegs diskutiert.

Flüssiggas als Kompensation

Als wichtige Alternative zu russischem Erdgas gilt unter Experten Flüssiggas (Liquefied Natural Gas, LNG). Dabei handelt es sich um Erdgas, das bei eisigen Temperaturen von weniger als minus 162 Grad Celsius verflüssigt wird. Mit Schiffen kann man es dann zu Abnehmern weltweit transportieren, wo es wieder „gasifiziert“ und in die Erdgas-Pipelines eingespeist wird. Eine Ladung reicht ungefähr aus, um eine Großstadt ein Jahr lang zu versorgen. Zu den wichtigsten LNG-Lieferanten gehören die USA, Katar, Australien und Russland. Kurzfristig verfügbar sind auf dem Weltmarkt rund 180 Milliarden Kubikmeter, während der Rest von rund 320 Milliarden Kubikmetern bereits langfristig vergeben ist – etwa an Kunden in Asien. Um alle Lieferungen aus Russland zu ersetzen bräuchte Europa etwa 190 Milliarden Kubikmeter LNG.

Allerdings existiert in Deutschland derzeit kein einziges LNG-Terminal. Entsprechende Planungen waren in der Vergangenheit mangels Interesse gestoppt worden. Nun haben Energieversorger – unter ihnen auch Uniper – die Arbeiten an einem nationalen LNG-Importterminal in Wilhelmshaven wieder aufgenommen, um die deutsche Regierung bei der Neuordnung der Energieimporte zu unterstützen. Langfristig soll die Hafenstadt am Jadebusen zu einer „grünen Energiedrehscheibe“ ausgebaut werden, wo regenerativ erzeugter Ammoniak importiert und nachhaltiger Wasserstoff produziert werden. Mehr als zehn Prozent des für die deutsche Wirtschaft im Jahr 2030 benötigten Wasserstoffs sollen aus Wilhelmshaven kommen.

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