25.11.21 24.11.2021: Die Ampel hat viel zu tun: Zweiter Tagesspiegel DebateEnergy Talk am Tag des Koalitionsvertrages Autor*in: Benedikt Schwan • Credits: Getty Images/ Richard Drury • Lesedauer: 2 min.

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Zusammenfassung

Vier deutsche Top-Energieexperten sprachen über die Herausforderungen der Energiewende, während gleichzeitig immer mehr Details aus dem Ampel-Abkommen durchsickerten. Klar ist schon mal: Es werden aufregende Zeiten.

Einen besseren Tag für den Tagesspiegel DebateEnergy Talk #2 hätte man sich kaum aussuchen können: Während am 24. November SPD, Grüne und FDP in Berlin am allerletzten Feinschliff des Koalitionsvertrages arbeiteten, gleichzeitig aber immer mehr Infos daraus in den Medien bekannt wurden, trafen sich bei der Online-Diskussion hochkarätige Gäste aus dem Energiesektor, um die Herausforderungen zu besprechen, die die neue Bundesregierung bei der Energiewende haben wird.

Zum Beginn der Livesendung führte Jakob Schlandt, Redaktionsleiter von Tagesspiegel Background Energie & Klima und Moderator des Talks, ins Thema ein – und holte sich gleich den aktuellen Stand aus Berlin von seiner Redakteurin Susanne Ehlerding, die dann auch gleich zurück in die Recherche musste. Ihrer Ansicht nach brachte die UN-Klimakonferenz COP26 in Glasgow auch deshalb bessere Ergebnisse, weil Klimaschäden des globalen Südens mittlerweile offensichtlicher würden. „Das bringt Bewegung in die Diskussion“.

Massive Dekarbonisierung

Den Eingangsimpulsvortrag hielt anschließend Klaus-Dieter Maubach, CEO der Uniper SE. Er stellte klar, dass sein Konzern, der unter anderem Kohle- und Gaskraftwerke betreibt, das Klimaabkommen von Paris unterstütze. Man habe ambitionierte Ziele etwa im Bereich der Wasserstofftechnik. Erdgas werde künftig aber noch gebraucht – als verlässlicher Partner für die Erneuerbaren bei der Versorgungssicherheit.

Dann begann auch schon die Diskussion, zu der Moderator Schlandt regelmäßig Details aus dem, was zum Koalitionsvertrag gerade durchsickerte, einstreute. Das Panel war mit Kerstin Andreae, Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, Rainer Baake, dem Direktor der Stiftung Klimaneutralität, Stefan Kapferer, CEO, 50Hertz Transmission GmbH und Andreas Kuhlmann, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der deutschen Energieagentur dena, mit Top-Experten besetzt.

Die waren sich dann in der Debatte erstaunlich einig, wie wichtig es nun sei, die Energiewende herbeizuführen – und die Ziele der Ampel-Koalitionäre zwar hochgegriffen, aber umsetzbar seien, wenn nur richtig gehandelt wird. Andreae, in ihrem früheren Leben Bundestagsabgeordnete bei den Grünen, merkte an, der Koalitionsvertrag sei in Sachen Klimaschutz zum Teil eine „ambitionierte Angelegenheit“. Baake sah das ähnlich, insbesondere der Stromsektor müsse „massiv dekarbonisiert“ werden. Es brauche eine Verdreifachung der Geschwindigkeit beim Umbau. „Sonst werden wir selbst zu den Getriebenen.“

Ein Backup für die Kohle

Stefan Kapferer von 50Hertz bat darum, bei den Maßnahmen die Netze mitzudenken. So brauche es „eine Backup-Situation für die Kohlekraftwerke“, wenn diese in den kommenden Jahren abgeschaltet werden. Die Versorgungsnetze müssten immer mitgedacht werden. Dena-Chef Kuhlmann sieht großen Nachholbedarf bei den Ampel-Parteien. In der letzten Legislatur sei „sehr viel liegengeblieben“, was die Koalitionäre jetzt umsetzen müssten.

Wenn die fossilen Energieträger wegfallen, muss Ersatz her. BDEW-Chefin Andreae erhoffte sich eine verlässliche Politik etwa beim Aufbau der Erneuerbaren und der künftig zunehmend Wasserstoff-fähigen Gaskraftwerke, die es dann braucht, um die Versorgung zu sichern und den Strompreis zu deckeln. „Unternehmen brauchen Vertrauen, damit sie in Kraftwerke investieren.“

So viel Kritik es an möglicherweise zu zaghaften Resultaten der COP26 gab, dena-Chef Kuhlmann sieht positive Schritte. Die Klimakonferenz habe eine Entwicklung durchgemacht, der die Welt auf einen besseren Weg schickt. „COP26 war eine Entwicklung, das sehe ich positiv.“ Und wenn nun der Aufbau der Erneuerbaren tatsächlich so klappt, wie die Ampel-Parteien sich das erhoffen, ist es damit nicht getan, merkte Andreae zum Ende einer spannenden Debatte an: Ohne Speichertechnik für den Strom aus Wind und Solar nützten die vielen Anstrengungen der nächsten Zeit wenig.


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