Jeremy Rifkin

23.04.20 Rifkin: Wie Gewinnstreben die Welt rettet Thomas Schmidt • 4 min.

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Zusammenfassung

Wer hält den Klimawandel auf? Pensionsfonds und andere Großinvestoren, sagt US-Vordenker Jeremy Rifkin. Doch die brauchen unsere Hilfe: Fünf Ansätze für eine nachhaltigere Welt. 

Wer den Klimawandel leugnet, hat dafür Gründe. Der häufigste: „Ich habe keine Lust, mich einzuschränken.“ In der Politik sorgt diese – psychologisch verständliche – Einstellung für Zögern und Zaudern. Parteien befürchten, bei den nächsten Wahlen abgestraft zu werden, sollten sie autofreie Innenstädte durchsetzen, innerdeutsche Flüge verbieten oder generell Kerosin hart besteuern. Für 29 Euro nach Mallorca fliegen? Wäre dann unmöglich. Der Blick auf Frankreichs Gelbwesten zeigt Politikern, was passieren kann, wenn Menschen das Gefühl haben, ihnen wird etwas weggenommen. Entsprechend vorsichtig taktieren sie.

Schon deshalb werden die Politiker die Erde nicht retten. Diese Aufgabe übernehmen – und das kommt jetzt unerwartet – Großanleger, die Milliardensummen zu investieren haben. Pensionsfonds und ähnliche Anleger setzen auf nachhaltige Investments, weniger aus moralischen denn aus finanziellen Gründen: Sie wollen eine langfristig sichere Rendite. Mit diesem Gewinnstreben treiben sie die Rettung der Erde entscheidend voran. Davon jedenfalls ist Jeremy Rifkin überzeugt, einer der einflussreichsten Vordenker unserer Tage. Mit seiner Vision eines „New Green Deal“ entwirft er optimistisch eine Welt, die den Klimawandel in den Griff bekommt. Mithilfe von Großinvestoren.

2028: Das Ende der Welt, wie wir sie kennen

Der „grüne Deal“ läutet ein neues industrielles Zeitalter ein. „Das grüne, digitale Europa wird sich künftig auf drei Elementen stützen“, sagt Rifkin: neue Kommunikationstechnologien, Energiequellen und Mobilität. Die Zeit sei reif, jedenfalls fast: „Die auf fossile Energie aufgebaute Zivilisation wird wahrscheinlich um das Jahr 2028 herum kollabieren.“ Sobald dieser Wendepunkt erreicht sei, gehe die Veränderung sehr schnell, denn Energie aus Sonne und Wind würden konkurrenzlos preiswert sein. „Marktkräfte werden den weiteren Wandel von selbst antreiben.“

Ausgerechnet Anleger sollen uns helfen können?

Wenn fossile Energie nicht mehr konkurrenzfähig ist, argumentiert der US-amerikanische Ökonom, werden Raffinerien, Bohrinseln und Pipelines überflüssig und Atomkraftwerke abgeschaltet. „Stranded Assets“ sagen Banker dazu: Werte ohne Wert. Die Citigroup hat überschlagen, dass in den nächsten Jahren mehr als 100 Billionen Dollar an Stranded Assets auflaufen werden. Solche Werte ohne Wert will kein Investor in seinem Portfolio haben. Deshalb werden Anleger wie die milliardenschweren US-amerikanischen Pensionsfonds, so Rifkins These, auf nachhaltige Investments setzen. Und damit den Weg in eine neue Welt ermöglichen, die grüner ist als jemals zuvor.

Fünf Ansätze für eine nachhaltige Welt

Diese Aufgabe kann nicht allein den Pensionsfonds und anderen Großanlegern überlassen werden – es ist eine Aufgabe für uns alle. Rifkin sieht die Zivilgesellschaft in jedem Land, jeder Region und jeder Gemeinde in der Pflicht. Erst dann können diese fünf Faktoren den „New Green Deal“ zum Erfolg führen:

  1. Großinvestoren ziehen sich zunehmend zurück aus fossilen Energieträgern. Sie setzen auf nachhaltig rentable Investments – nicht nur in der Energiebranche.

  2. Es braucht parallel lokale und regionale Initiativen, die moderne Technologien nutzen, um nachhaltige Ziele zu erreichen. So bildet sich allmählich eine neue, dezentrale Infrastruktur.

  3. Jenseits der Stromkonzerne entstehen dezentrale Systeme für den Transport und die Speicherung von Strom.

  4. Schnelle Datennetze werden gespannt, die ökologisch optimierte Städte miteinander verbinden.

  5. Verkehrsmittel werden vernetzt, um Mobilität so bequem und einfach wie möglich zu machen. Autos, die mit Benzin oder Diesel fahren, werden zum Auslaufmodell.

Volkswagen liege richtig damit, das Ende neuer benzingetriebener Antrieb für 2026 anzusetzen, sagt Rifkin. „Der Übergang zu einer voll funktionsfähigen emissionsfreien grünen Infrastruktur und Wirtschaft ist noch vor 2040 machbar.“ Billigflüge nach Mallorca wird es dann allerdings nicht mehr geben.

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