29.06.20 Wasserstoff: So lässt sich Strom speichern Autor*in: Thomas Schmidt • Lesedauer: 3 min.

Scroll to Read
Zusammenfassung

Strom lässt sich schlecht in großen Mengen speichern. Wasserstoff könnte dieses Problem lösen. Wie praxistauglich die Wasserstoff-Elektrolyse ist, erforscht ein Power-to-Gas-Großprojekt in Bad Lauchstädt.

In zehn Jahren hat das Wasserstoffauto seinen Durchbruch. Warum dieser Spruch als Witz kursiert? Weil Forscher das seit Jahrzehnten behaupten. Noch zehn Jahre, wir können das Ziel fast schon sehen… Betonung auf „fast“.

Zum Glück lässt sich Wasserstoff nicht nur in Autos nutzen. Ebenso spannend ist seine Fähigkeit, Strom zu speichern. Bei der sogenannten Power-to-Gas-Technologie wird Strom per Elektrolyse in Wasserstoff verwandelt und unter großem Druck in Tanks gelagert – bis er zum Beispiel wieder in Strom zurückverwandelt wird. Dieser Strom soll beispielsweise witterungsbedingte Schwankungen bei der Solar- und Windstromerzeugung ausgleichen und so für eine sichere Energieversorgung sorgen. Unterschieden wird zwischen „grünem“ Wasserstoff, der regenerative Energien in Strom umsetzt, und dem häufigeren „grauen“ Wasserstoff, der als Nebenprodukt der Chemieindustrie oder mit fossiler Energie erzeugt wird, wobei Kohlendioxid (CO2) entsteht.

Wasserstoff für das Chemie-Dreieck 

Das größte Projekt zur Erzeugung und Speicherung von grünem Wasserstoff in Deutschland nimmt gerade in der Nähe des sachsen-anhaltischen Städtchens Bad Lauchstädt Fahrt auf. Im September überreichte Staatssekretär Andreas Feicht vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie einen Förderbescheid über rund 34 Millionen Euro für den dortigen Energiepark. In den kommenden fünf Jahren soll in Bad Lauchstädt demonstriert werden, wie grüner Wasserstoff intelligent erzeugt, gespeichert, transportiert, vermarktet und genutzt werden kann. Der Fokus liegt auf dem Einsatz des klimaneutralen Gases in der Chemieindustrie, einem der wichtigsten Wirtschaftszweige in Sachsen-Anhalt.

An dem Projekt sind die sechs Partner Terrawatt Planungsgesellschaft mbH, Uniper (steht hinter Debate.Energy), VNG Gasspeicher GmbH, ONTRAS Gastransport GmbH, DBI – Gastechnologisches Institut gGmbH Freiberg und die VNG AG als Konsortialführer beteiligt. Sie wollen in Bad Lauchstädt ein Versorgungssystem mit einer Kapazität von rund 27 Millionen Kubikmetern Wasserstoff pro Jahr errichten und erproben. Für die Wasserstoffproduktion soll ein 30-Megawatt-Elektrolyseur zum Einsatz kommen, der ab Oktober 2022 gebaut wird. Den dafür benötigten Strom wird ein nahegelegener Windpark liefern, der parallel zum Reallabor entsteht. Anfang 2024 soll der grüne Strom dann erstmals für die Wasserstoffproduktion genutzt werden.

Ersatz für fossiles Erdgas 

Der grüne Wasserstoff wird über eine ehemalige Erdgaspipeline zum Chemiepark Leuna transportiert und ersetzt teilweise den fossilen Energieträger Erdgas. Über den Anschluss des Systems an die mitteldeutsche Erdgaspipeline sollen perspektivisch weitere Chemie- und Industriestandorte in der Region eingebunden werden. In einer möglichen späteren Ausbauphase ab 2026 soll der produzierte Wasserstoff in der bestehenden Salzkaverne vor Ort zwischengespeichert werden. Mit rund 50 Millionen Kubikmetern fasst dieser unterirdische Hohlraum fast doppelt so viel Wasserstoff, wie im Energiepark Bad Lauchstädt pro Jahr hergestellt werden kann.

Gefördert wird das Vorhaben als Reallabor der Energiewende im Rahmen des 7. Energieforschungsprogramms der Bundesregierung. Neben der staatlichen Förderung investieren die Projektpartner 42 Millionen Euro als Eigenanteil, weitere 63 Millionen Euro werden durch die Terrawatt Planungsgesellschaft für den Windpark des Energieparks Bad Lauchstädt bereitgestellt. „In den neunziger Jahren haben wir in Sachsen-Anhalt sehr erfolgreich das Chemieparkmodell entwickelt“, sagte der sachsen-anhaltische Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff bei der Übergabe des Förderschecks. „Ich bin der festen Überzeugung, dass wir auch mit dem Energiepark Bad Lauchstädt Vorreiter sind und das Modell zu einer Erfolgsgeschichte wird.“

Haftungsausschluss

Die Inhalte dieser Website werden mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt. Uniper SE übernimmt jedoch keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Inhalte. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des jeweiligen Autors und nicht immer die Meinung von Uniper SE wieder.