Zwei Schiffe im Hafen

13.07.21 Wasserstoffnetze für das klimaneutrale Industrieland Autor*in: Dr. Stefan Kaufmann • Lesedauer: 3 min.

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Zusammenfassung

Deutschland soll zur Wasserstoffrepublik werden. Warum? Weil wir Klimaschutz und Wirtschaftsstärke verbinden und Deutschland bis 2045 zum klimaneutralen Industrieland machen wollen. Wie gelingt uns das? Mit Mut zu Neuem und erneuerbaren Energien im Gewand von Elektrizität und Wasserstoff. Wir brauchen leistungsfähige Netze, um alle Bereiche unseres Lebens und Wirtschaftens mit grüner Energie zu versorgen. Deshalb müssen wir die Wasserstoffinfrastruktur jetzt rasch und mit klarem Kurs auf unsere Klimaziele aufbauen. Vier Thesen dazu, wie uns das gelingt:

These 1: Aufbau der Wasserstoffnetze verlässlich planen

Wir brauchen Verlässlichkeit, damit die notwendigen Investitionen in klimafreundliche, wasserstoffbasierte Anwendungen vorbereitet werden. Verlässlichkeit, dass Wasserstoff in ausreichender Menge dort verfügbar ist, wo er benötigt wird. In der momentanen Phase, in der grüner Wasserstoff zunächst in überschaubaren, schrittweise wachsenden Mengen verfügbar ist, schaffen wir diese Verlässlichkeit durch Priorisierung. Was heißt das konkret? Als ersten Schritt sollten wir Wasserstoff-Backbones zwischen zentralen Erzeugungsregionen und Großverbrauchern in der Stahl- und Chemieindustrie voranbringen. Der Hebel für den Klimaschutz ist hier am größten. Durch den großen Bedarf in diesen Industrien ergibt sich zudem ein starker Impuls für die Skalierung und damit die Kostendegression bei der Wasserstofferzeugung. Darauf aufbauend können wir bedarfsgerecht und flexibel die nächsten Ausbaustufen angehen.

These 2: Wasserstoffinfrastruktur europäisch und international denken

Dr. Stefan Kaufmann (MdB), Innovationsbeauftragter „Grüner Wasserstoff“

Dr. Stefan Kaufmann (MdB), Innovationsbeauftragter „Grüner Wasserstoff“

Der Bedarf an Wasserstoff in Deutschland übersteigt auch langfristig die inländischen Produktionsmöglichkeiten deutlich. Deshalb müssen wir die Wasserstoffinfrastruktur von Anfang an europäisch und international denken. Innerhalb Europas haben wir ein großes Potenzial, Erzeugungsstandorte zum Beispiel in Südeuropa mit Industrieregionen in Mitteleuropa per Pipeline zu verbinden. Hier brauchen wir einen gemeinsamen europäischen Ansatz – eine Wasserstoffunion. Gleichzeitig müssen wir den Import aus Übersee vorbereiten. Wir brauchen Häfen, an denen wir Wasserstoff anlanden, zwischenspeichern, umwandeln und weitertransportieren können. Und wir müssen natürlich zunächst einmal Lieferketten aus Afrika, Australien und Südamerika aufbauen. Ganz entscheidend für den internationalen Handel sind zudem technische Standards und eine transparente Zertifizierung zur Nachhaltigkeit und Klimabilanz.

These 3: Energienetze integriert konzipieren

Die klimaneutrale Zukunft wird durch eine ausgeprägte Sektorkopplung mit einer direkten und indirekten Elektrifizierung aller Anwendungssektoren gekennzeichnet sein. Deshalb brauchen wir eine integrierte und dynamische Entwicklung der Energienetze. Durch systemische Optimierung können wir beispielsweise Engpässe im Stromnetz durch das Wasserstoffnetz ausgleichen oder geeignete Standorte für Elektrolyseure identifizieren. Zudem müssen wir die Umstellung von Teilen des Erdgasnetzes auf Wasserstoff vorausschauend planen. Dabei sollten wir das Energienetz der klimaneutralen Zukunft aber nicht nur ausgehend von der gegenwärtigen Infrastruktur denken. Dort, wo die bestehende Infrastruktur zu ineffizienten Lock-ins führt, müssen wir den Weg frei machen für Innovationen und neue Ansätze.

These 4: Wasserstoffinfrastruktur wissenschaftlich fundiert und mit Innovationen gestalten

Dr. Stefan Kaufmann (MdB), Innovationsbeauftragter „Grüner Wasserstoff“

Die Wasserstoffinfrastruktur der Zukunft wird international ausgerichtet und mit weiteren Energienetzen gekoppelt sein. Viele Details sind aber noch offen, eine Reihe von Herausforderungen zu meistern. Forschung und Innovation sind hier die Lösung. Deshalb investiert das Bundesforschungsministerium massiv in die Wasserstoffforschung. Zum Beispiel untersucht das Wasserstoff-Leitprojekt TransHyDE verschiedene Optionen für den Transport und die Speicherung – Wasserstoffträger wie LOHC und Ammoniak, die Verschiffung in verflüssigter Form und die Verteilung über Rohrleitungen. Durch gezielte Forschung sowie praktische Erprobung legen die beteiligten Industrie- und Forschungspartner die technischen Grundlagen für eine effiziente Versorgung mit Wasserstoff. Unsere internationalen Kooperationsprojekte wie der Potenzialatlas Grüner Wasserstoff für Afrika oder HySupply und HyGate zusammen mit Australien wiederum bereiten nachhaltige Wertschöpfungs- und Lieferketten vor. Damit setzen wir Innovationsmeilensteine für den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft.


Weiterführende Informationen

Dr. Stefan Kaufmann vor dem deutschen Bundestag

Dr. Stefan Kaufmann (MdB), Innovationsbeauftragter „Grüner Wasserstoff“

Dr. Stefan Kaufmann (MdB CDU) ist seit dem 19. Juni 2020 Innovationsbeauftragter „Grüner Wasserstoff“ beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Zuvor war der promovierte Volljurist Vorsitzender der Enquete-Kommission „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“ sowie Obmann der Unionsfraktion im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Bundestages. Dem Parlament gehört Kaufmann seit 2009 an und ist seither ordentliches Mitglied im Forschungsausschuss.

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