28.03.22 „Das Idealziel wäre die CO2-neutrale Produktion von Äpfeln“ Interview mit Jürgen Zimmer • Lesedauer: 4 min.

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Zusammenfassung

Verträgt sich Agri-PV auch mit Kernobst? Dieser Frage geht Jürgen Zimmer vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz (DLR) nach. An verschiedenen Apfelsorten soll erprobt werden, ob deren wirtschaftliche Produktion mit Stromerzeugung kombinierbar ist.

Herr Zimmer, das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz (DLR) ist an einem Forschungsprojekt zum Thema Agri-PV beteiligt. Können Sie das Projekt etwas genauer beschreiben?

Es handelt sich um das bundesweit erste Projekt, das Agri-PV im Obstbau bei Äpfeln untersucht. Auf knapp einem Hektar haben wir im Frühjahr 2021 acht Apfelsorten angepflanzt. Ein Teil der Pflanzen wächst jeweils unter einer Folie, einem Hagelschutz und unter lichtdurchlässigen Photovoltaik-Elementen. Hier haben wir ein Tracker-System – also Module, die dem Sonnenstand folgen – und fest installierte Module, die sich zudem in der Anordnung der Solarzellen unterscheiden. Die PV-Anlage leistet maximal 258 Kilowatt. Die Fläche befindet sich in Grafschaft-Gelsdorf im Landkreis Ahrweiler.

Wer ist an dem Projekt beteiligt?

Beteiligt sind neben uns das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme, die BayWa r.e., die EWS Schönau und Fendt. Gefördert wird das Projekt durch das Land Rheinland-Pfalz und das Bundeswirtschaftsministerium. Unsere Rolle besteht in der agrarwissenschaftlichen Begleitung. Und nicht zu vergessen: Johannes Nachtwey und sein Obstbaubetrieb, auf dessen Gelände das Projekt stattfindet! Er hat nicht nur das Grundstück zur Verfügung gestellt, sondern maßgeblich die nötigen Genehmigungen und den Bauantrag vorangetrieben. Ohne innovative Landwirte wie ihn würde es nicht gehen.

Was untersuchen Sie denn genau mit Ihrem Projekt?

Grundsätzlich geht es darum, die Apfelproduktion und Agri-PV zusammenzubringen. Das heißt konkret: Wir werden in den kommenden fünf Jahren untersuchen, wie Agri-PV die Äpfel vor Hagel, Sonnenbrand, Frost oder extrem hohen Temperaturen schützen kann. Zugleich wollen wir testen, ob und wie sich die Verschattung durch die unterschiedlichen Solarmodule auf Wachstum und Erträge auswirkt. Die Hagelnetze und Folien dienen dabei als Vergleich – denn ein Ziel ist auch die Beantwortung der Frage, ob Solarmodule Hagelnetze und Folien als Schutzsysteme ersetzen können. Ein weiteres Ziel ist es, die Resilienz im Obstbau zu steigern sowie zur ressourceneffizienten Landnutzung beizutragen. Sehr wichtig war bei der Errichtung der PV-Anlagen, dass für die landwirtschaftliche Arbeit hier dieselben Bedingungen herrschen wie bei „herkömmlichen“ Spalierobstanlagen. Außerdem wurden Biodiversitätsmaßnahmen umgesetzt, zum Beispiel durch das Anpflanzen von Blütengehölzen und heimischen Wildkräutermischungen. Mit dem von der Firma Fendt bereitgestellten batteriebetriebenen Traktor soll das CO2-Einsparpotenzial durch Verwendung von grüner Energie im Vergleich zu dieselbetriebenen Traktoren ermittelt werden.

Bislang haben wir nur über die Pflanzen gesprochen. Was ist denn mit der Photovoltaik?

Ich muss betonen, dass wir hier untersuchen, ob mit Agri-PV wirtschaftlich erfolgreich Obstbau betrieben werden kann. Für Beerenobst konnte das in anderen Projekten schon gezeigt werden – was auch daran liegt, dass etwa Heidel- oder Himbeeren mit Verschattungen gut umgehen können. Wir testen, ob auch Kernobst das gut verträgt. Aber natürlich geht es auch um die Stromerzeugung. Allerdings weniger, um die Energie zu vermarkten. Auf dem Testgelände setzen wir neben dem E-Traktor auch batteriebetriebene Bearbeitungsgeräte ein und messen die CO2-Einsparung. Das Kühlhaus für die Äpfel können wir ebenfalls mit dem selbst erzeugten Strom betreiben. Das heißt: Das Idealziel wäre die CO2-neutrale Produktion von Äpfeln, die wirtschaftlich – also in Hinblick auf Erträge und Vermarktbarkeit – mit der herkömmlichen Produktion gleichauf ist.

Wann rechnen Sie mit ersten Ergebnissen?

Da wir erst im Mai 2021 pflanzen konnten – nach der Fertigstellung der PV-Anlage – konnten wir in jenem Jahr und werden auch in diesem Jahr wenig ernten. Mit nennenswerten Erträgen rechne ich in zwei Jahren. Bis dahin sammeln wir natürlich schon Daten, aber erst dann werden wir belastbare Aussagen zur landwirtschaftlichen Produktion des Projekts machen können.

Aus Ihrer Sicht: Wie geht’s weiter mit der Agri-PV?

Grundsätzlich halte ich das Konzept für einen guten Beitrag, um das Problem der Landnutzungskonkurrenz bei der Erzeugung erneuerbarer Energien und der Landwirtschaft zu entschärfen. Entscheidend für den weiteren Ausbau ist neben Projekten wie unserem die Politik. Dass der Bund und das Land Rheinland-Pfalz das Projekt fördern, zeigt ja, dass die Potenziale der Agri-PV gesehen werden. Vor Ort gibt es – das unterscheidet sich oft von Landkreis zu Landkreis – unterschiedlich starke Unterstützung, etwa was die Vergabe von Baugenehmigungen angeht. Wir haben zum Glück große Unterstützung durch die Kreisverwaltung Ahrweiler erlebt. Für die Zukunft rechne ich hier mit weiteren Vereinfachungen. Insgesamt bin ich positiv gestimmt!

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