23.04.20 Die Corona-Krise verlangt uns einiges ab" Interview mit Frank Plümacher, Uniper • 3 min.

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Frank Plümacher

Das Corona-Virus legt das wirtschaftliche Leben weitgehend lahm - bei der Stromversorgung darf das nicht passieren. Im Interview berichtet Frank Plümacher, Executive Vice President HSSE & Sustainability, wie der Energieversorger Uniper vorsorgt, damit kein einziges Kraftwerk ausfällt.

Strom kommt aus der Steckdose, darüber muss man als Verbraucher nicht nachdenken. Merken Sie, ob diese scheinbare Selbstverständlichkeit durch Corona in Frage gestellt wird?

Hier in Deutschland merke oder spüre ich keine Ängste. Das hängt damit zusammen, wie Corona hierzulande und in den meisten anderen Ländern gesehen wird: als reale Gefahr, auf die schnell und umfassend reagiert wird. Anders sähe es aus, wenn die Pandemie verharmlost würde und die Krankheit schnell um sich greift.  

Sollte Corona noch einen Schub bekommen: Wäre Uniper vorbereitet? 

Wir haben Pandemie-Pläne mit verschiedenen Stufen für jedes einzelne Kraftwerk. Diese Pläne geben genau vor, was wir wann machen. Deshalb konnten wir schnell reagieren. Wir haben im ersten Schritt keine Besucher mehr in den Kraftwerken zugelassen, dann die sicherheitsrelevanten Funktionen abgegrenzt und den persönlichen Kontakt minimiert – etwa bei Schichtübergaben – oder komplett unterbunden. Wer nicht vor Ort im Kraftwerk sein muss, der arbeitet von zu Hause.  

Was ist mit den Mitarbeitern, die im Kraftwerk präsent sein müssen? 

Mitarbeiter, wie zum Beispiel in der Leitwart, müssen anwesend sein - sie sind „systemrelevant“. Deshalb kümmern wir uns darum, diese Mitarbeiter so gut wie möglich zu schützen. Etwa indem sie nicht mit anderen Kraftwerksmitarbeitern in Kontakt kommen oder indem sie auch in der Leitwarte mindestens anderthalb Meter Abstand voneinander halten.  

Frank Plümacher

Werden diese systemrelevanten Mitarbeiter auf das Virus getestet? 

Darauf verzichten wir, dafür sind die Tests nicht zuverlässig genug. Wir setzen auf das Verantwortungsgefühl jedes einzelnen, das heißt: bei den ersten Anzeichen Bescheid zu geben, sich selbst in Quarantäne zu begeben und aufeinander zu achten.  

Gibt es Corona-Fälle bei diesen systemrelevanten Mitarbeitern? 

Wenige. Wir haben insgesamt Glück – und haben diesem Glück etwas nachgeholfen, weil wir sehr früh reagiert haben und beispielsweise bereits im März alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gebeten haben, von zu Hause zu arbeiten. Das gilt für die Mitarbeiter an den Verwaltungsstandorten sowie für Mitarbeiter an den operativen Standorten, die ihren Job auch von zu Hause ausführen können. Übrigens: Das Arbeiten vom Homeoffice aus klappt überraschend gut! 

Und wenn es mal nicht so gut klappt im Homeoffice? 

Wir wissen, dass wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einiges zumuten. Es ist nicht leicht sich zu konzentrieren, wenn beispielsweise ständig kleine Kinder herumspringen und beschäftigt werden wollen. Oder wenn sich Familienmitglieder 24 Stunden am Tag auf engem Raum nicht ausweichen können. Deshalb haben wir eine telefonische Hotline für psychologische Betreuung eingerichtet. Wir schicken auch Tipps an unsere „Heimarbeiter“, was sie tun können, um sich innerhalb der vier Wände fit zu halten. Oder wir bieten ihnen an,  ihre Bildschirme oder Bürostühle mit nach Hause zu nehmen, zum bequemeren Arbeiten. Wir tun was wir können – das wird wertgeschätzt von den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. 

Was ist mit den systemrelevanten Mitarbeitern? Müssen die in den „vier Wänden“ des Kraftwerks bleiben? 

Wenn das nötig wird, wären wir vorbereitet. Zum Glück sieht es derzeit nicht danach aus. Wir reden in diesen Tagen ja mehr von Lockerungen als von Verschärfungen. In unseren Pandemie-Plänen wäre die nächste verschärfte Stufe die Ausgangssperre. Und selbst die würde keine Kasernierung dieser Mitarbeiter nötig machen.  

Haben Sie – als Uniper – jetzt eigentlich weniger zu tun, solange Europa im Lockdown simmert? 

Definitiv nicht. Dies sind anspruchsvolle Tage. Derzeit diskutieren wir beispielsweise das Thema „Masken“. Wir würden unseren Mitarbeitern, die mit Bus oder U-Bahn zur Arbeit kommen, gern Masken geben – ohne dabei Masken zu horten, falls die an anderer Stelle dringender benötigt werden. Wir fragen uns – ein nur scheinbar banales Beispiel: Wie funktioniert die Kantine in der Hauptverwaltung und an unseren weltweiten Standorten, wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mehr im Homeoffice sitzen, Corona aber noch längst nicht besiegt ist?  

Lassen Sie uns zum Schluss einen weiten Bogen schlagen von der Uniper-Kantine zur Zukunft der regenerativen Energien. Werden Unternehmen und Staaten in der Nach-Corona-Zeit verstärkt auf Öl und Gas setzen, die derzeit historische Tiefstände erreichen und damit die Energiewende ins Stolpern bringen? 

Das hoffe ich nicht. Unser Ziel ist es, bis 2035 klimaneutral zu produzieren. Daran wollen wir mit Nachdruck arbeiten, denn das wird die Zukunft sein: Versorgungssicherheit kombiniert mit Klimaneutralität.

Haftungsausschluss

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