Digitale Illustration eines Sportwagens

16.08.21 Bei PKWs hat die direkte Elektrifizierung des Antriebsstrangs deutliche Vorteile Interview mit Götz Erhardt • Lesedauer: 3 min.

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Zusammenfassung

Die Nachfrage nach E-Autos steigt. Götz Erhardt, Geschäftsführer für den Bereich Grundstoffindustrie und Energie bei Accenture in Deutschland, Österreich und der Schweiz, spricht im Interview über Elektromobilität, mögliche Alternativen und die großen Trends in der Automobilbranche.

Götz Erhardt

Mit nur einem halben Jahr Verspätung wurde nun doch der Meilenstein von einer Million Elektroautos erreicht. Woran liegt das aus Ihrer Sicht?

Die staatliche Förderung hat als starker Anreiz dabei eine wichtige Rolle gespielt. Es lag aber nicht nur daran – ich würde die steigenden Verkäufe von Elektrofahrzeugen auch auf einen Bewusstseinswandel und steigende Akzeptanz zurückführen, insbesondere von batterieelektrischen Fahrzeugen. Bisher gab es einen stärkeren Hochlauf bei den Hybriden, aber das scheint sich nun geändert zu haben: Die rein batterieelektrischen Fahrzeuge legten zuletzt deutlich stärker zu als Autos mit Hybridantrieb. Man sieht das auch im Straßenbild: Gerade im urbanen Verkehr setzen sich Elektrofahrzeuge immer mehr durch. Die Reichweitenangst scheint abgenommen zu haben. Bisher waren die Hybridfahrzeuge das Mittel der Wahl für Menschen, denen die Reichweite von batterieelektrischen Fahrzeugen nicht ausreichend erschien. Hinzu kommt: Autos mit Hybridantrieb sind ohnehin in puncto Effizienz nicht gerade der Weisheit letzter Schluss. Man benötigt hier ein Fahrzeug mit 1.500 bis 2.000 Kilogramm Gewicht, um 100 oder 200 Kilogramm Nutzlast zu transportieren. Besonders effizient ist das nicht.

Welche Rolle hat aus Ihrer Sicht die Verbotsdebatte rund um Verbrennungsmotoren gespielt?

Das mag zum stärkeren Interesse an Elektroautos beigetragen haben. Die zunehmende Präsenz von E-Autos im Straßenbild ist aus meiner Sicht aber ein wesentlich stärkerer psychologischer Faktor als die Angst vor einem möglicherweise sinkenden Wiederverkaufswert von Autos mit Benzin- oder Dieselantrieb. Zusammengefasst könnte man sagen: Das stark gestiegene Interesse an Elektrofahrzeugen ist auf eine Mischung aus Herdenpsychologie und finanziellen Anreizen zurückzuführen.

Götz Erhardt, Geschäftsführer für den Bereich Grundstoffindustrie und Energie bei Accenture in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Was müsste man sonst noch tun, um Elektromobilität attraktiver zu machen?

Natürlich muss die öffentliche Ladeinfrastruktur weiter ausgebaut werden, zum Beispiel an den viel befahrenen Transitstrecken wie Autobahnen. Außerdem ist Elektromobilität derzeit vor allem ein urbanes Phänomen. Wir müssen aber auch daran denken, dass sich nicht nur die Antriebe, sondern die gesamte Mobilität verändern wird: Neben der Elektrifizierung dürften auch das Carsharing und Mobility-on-Demand in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Und durch das hochautomatisierte oder autonome Fahren werden in Zukunft völlig neue Fahrzeugkonzepte möglich. Wenn Autos von mehreren Personen genutzt werden, braucht man beispielsweise andere Karosseriekonzepte. Und im innerstädtischen Verkehr ist die Aerodynamik nicht mehr so wichtig.

Ein regelrechter Glaubenskrieg findet um das Thema „Technologieoffenheit“ statt. Wie stehen Sie zu Elektroauto-Alternativen wie beispielsweise Fahrzeugen mit Wasserstoffantrieb?

Grundsätzlich ist die Elektrifizierung vieler Bereiche aufgrund ihrer vielen Vorteile nicht mehr aufzuhalten. Parallel dazu brauchen wir aber sicherlich auch einen Hochlauf von Wasserstoff in Deutschland, zum Beispiel für die chemische Industrie, synthetisches Flugbenzin oder in der Metallverarbeitung. In diesem Zusammenhang kann ich mir vorstellen, dass die Brennstoffzelle künftig im Schwerlastverkehr oder auf nicht elektrifizierten Bahnstrecken zum Einsatz kommt. Bei PKWs hat die direkte Elektrifizierung des Antriebsstrangs aber deutliche Vorteile. Und Technologieoffenheit ergibt ja nur dann Sinn, wenn es tatsächlich Alternativen gibt.

Götz Erhardt, Geschäftsführer für den Bereich Grundstoffindustrie und Energie bei Accenture in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Neue Anbieter von Elektroautos drängen auf den Markt, zum Beispiel aus China. Wie gefährlich sind sie für die etablierten Hersteller?

Zunächst einmal muss die Branche sich auf zwei große Trends einstellen. Erstens: Das Auto wird in Zukunft maßgeblich durch Software definiert. Zweitens: Die Batterie wird als preisdifferenzierendes Merkmal eine entscheidende Rolle spielen. Man kann darum davon ausgehen, dass die Wettbewerbsdynamik im Automobilsektor künftig deutlich zunehmen wird. Das schafft Raum für neue Anbieter, wie das Beispiel Tesla ja bewiesen hat. Man braucht allerdings auch viel Forschung und Entwicklung sowie große Mengen an Kapital, um im Bereich der Software – zum Beispiel für das hochautomatisierte Fahren – und bei den Batterietechnologien mitspielen zu können. Mit diesen Veränderungen haben wir uns zuletzt auch in einer Studie beschäftigt.

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