Landschaft mit Wasserstoff Speicher

13.07.21 Kein funktionierender Wasserstoff-Markt ohne Speicher“ Interview mit Dr. Axel Wietfeld • Lesedauer: 3 min.

Scroll to Read
Zusammenfassung

Wasserstoff-Speicher sind eine zentrale Komponente der Energiewende. Dr. Axel Wietfeld (CEO der Uniper Hydrogen GmbH und Präsident des europäischen Gasspeicherverbandes Gas Storage Europe) spricht im Interview über den künftigen Bedarf und den Stand der Umsetzung.

Dr. Axel Wietfeld, CEO der Uniper Hydrogen GmbH und Präsident des europäischen Gasspeicherverbandes Gas Storage Europe

Herr Dr. Wietfeld, warum ist Wasserstoff für die Energiewende so wichtig?

Ohne Wasserstoff können wir die Wirtschaft nicht dekarbonisieren. Für die Energiewende brauchen wir „grüne Elektronen“ und „grüne Moleküle“ – der Ausbau der erneuerbaren Energien alleine reicht darum nicht. Wasserstoff ist die Lösung für Industrien, die man nicht voll elektrifizieren kann. Denken Sie beispielsweise an Raffinerien oder Stahlwerke. Die aktuelle Studie „Picturing the value of underground gas storage to the European hydrogen System“ im Auftrag von Gas Infrastructure Europe hat ergeben, dass wir im Jahr 2050 in der Europäischen Union und in Großbritannien 2.300 Terawattstunden Wasserstoff benötigen werden, was 20 bis 25 Prozent des Endenergieverbrauchs entspricht. Rund die Hälfte davon wird in der Industrie als Rohstoff benötigt. Aber auch in der Mobilität wird grüner Wasserstoff eine Rolle spielen – ich selbst fahre ein Hybridfahrzeug mit Brennstoffzelle und Batterie und finde, dass das ein tolles Auto ist.

Dr. Axel Wietfeld, CEO der Uniper Hydrogen GmbH und Präsident des europäischen Gasspeicherverbandes Gas Storage Europe

Welche Rolle spielen Wasserstoff-Speicher in diesem Zusammenhang?

Ohne Wasserstoff-Speicher werden wir keinen funktionierenden Wasserstoff-Markt in Europa entwickeln können – und das ist ja eines unserer Ziele. Denn gerade Wasserstoff birgt unter anderem das Potenzial, grüne Energie mittels Elektrolyse speicherbar zu machen. Wenn wir die dafür notwendigen Lagerstätten bereitstellen, müssen wir bei der Produktion und beim Transport keine teuren Überkapazitäten aufbauen. Dies hat auch positive Auswirkungen auf den Stromsektor; durch die Sektorenkopplung vermeiden wir einen überproportionalen Ausbau von Stromleitungen. Davon profitieren die Verbraucher, weil die Kosten für den Energieträger sinken. Und schließlich sind Wasserstoff-Speicher eine Art Versicherung: Sie wirken wie ein Backup, wenn es zu extremen Ereignissen kommt – zum Beispiel dem Ausfall von Infrastruktur, außergewöhnlichen Wetterereignissen oder ungewöhnlich hoher Nachfrage. Was viele Menschen nicht wissen: In kalten Wintern kommen schon heute bis zu 60 Prozent des Erdgases aus Speichern in Deutschland. In Zukunft könnte das Gleiche für Wasserstoff gelten.

Dr. Axel Wietfeld, CEO der Uniper Hydrogen GmbH und Präsident des europäischen Gasspeicherverbandes Gas Storage Europe

Welche Speicherkapazitäten brauchen wir künftig in Deutschland bzw. Europa?

Der Speicherbedarf ist tatsächlich von Land zu Land sehr unterschiedlich. Für Deutschland rechnet die Studie bis 2050 mit 111 Terawattstunden. Das ist ungefähr doppelt so viel wie der aktuelle Wasserstoffverbrauch hierzulande. Alleine in den Salzkavernen-Speichern in Deutschland – also ohne die Porenspeicher – würden heute schon rund 33 Terawattstunden Speichervolumen durch Umrüstung zur Verfügung stehen. Gleichzeitig zeigt sich auch ein erheblicher Ausbaubedarf für die Speicherung von Wasserstoff. In Europa kommt den deutschen Kavernenspeichern ein hoher Stellenwert zu, da rund 80 Prozent von ihnen auf deutschem Gebiet liegen und Deutschland damit die Rolle eines europäischen „Wasserstoff-Speicherhubs“ zukommen könnte. Für die Umstellung von Erdgas auf Wasserstoff muss allerdings mit zwei bis sechs Jahren gerechnet werden, sodass wir jetzt damit anfangen sollten.

Gibt es in Deutschland überhaupt genügend potenzielle Speicherorte?

Ja, denn neben den existierenden Salzkavernen-Speichern für Erdgas könnten wir auch ausgeförderte Erdgas-Felder nutzen. Solche Porenspeicher lassen sich allerdings nicht ganz so einfach auf Wasserstoff umrüsten. Hier laufen gerade Tests, um diese Frage zu untersuchen. Insgesamt ist das Potenzial in Deutschland aber ausreichend. Und wir haben hierzulande noch einen Standortvorteil: Viele mögliche Speicherorte liegen relativ nahe bei Windkraftanlagen in Norddeutschland, sodass man den Strom für die Elektrolyse nicht weit transportieren muss.

Über Wasserstoff-Speicher in Salzkavernen wird seit mindestens zehn Jahren nachgedacht. Warum gibt es bis heute keine Anlage im industriellen Maßstab?

Bisher genügen kleine, lokale Speicher, weil wir Wasserstoff in der Regel am Ort des Bedarfs produzieren. Das wird sich ändern – in Industrie, Wärmesektor oder Mobilität steigt der Bedarf rasant, um die vereinbarten Klimaziele überhaupt erreichen zu können. Wasserstoff muss deshalb in Zukunft verstärkt aus größeren Entfernungen beschafft und deshalb auch zwischengelagert werden. Dadurch wird der Bedarf für große Wasserstoffspeicher schnell ansteigen, zumal Wasserstoff leider bezogen auf seine Energiedichte ein großes Volumen benötigt. Technisch steht den großen Anlagen der Zukunft nichts im Weg, allerdings müssen die Rahmenbedingungen für die Betreiber noch verbessert werden. Wir brauchen beispielsweise Förderprogramme, um Investitionen zur Umrüstung von Erdgasspeichern auf Wasserstoff anzuschieben.

Welche Pläne haben Sie in puncto Wasserstoff-Produktion und -Speicherung?

Uniper will in Europa eine eigene Wasserstoff-Produktion aufbauen und einen Wasserstoff-Markt etablieren. Die installierte Leistung für die Herstellung von grünem bzw. blauem Wasserstoff soll bis 2030 bei über einem Gigawatt liegen. Als Betreiber von großen Erdgas-Speichern untersuchen wir auch ganz konkret vor Ort potenzielle Speicherorte für Wasserstoff. Hier sind besonders die Standorte Epe und Etzel interessant. Als Wasserstoff-Pioniere der ersten Stunde haben wir es uns zum Ziel gesetzt, künftig weltweit entlang der kompletten Wertschöpfungskette tätig zu sein und Projekte zu realisieren, die Wasserstoff zur tragenden Säule der Energieversorgung der Zukunft nutzbar machen. Dies schließt die internationale Versorgung von Kunden und den globalen Handel von Wasserstoff sowie die Bereitstellung entsprechender Importanlagen für Wasserstoff in Europa ein.

Dr. Axel Wietfeld, CEO der Uniper Hydrogen GmbH und Präsident des europäischen Gasspeicherverbandes Gas Storage Europe

Haftungsausschluss

Die Inhalte dieser Website werden mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt. Uniper SE übernimmt jedoch keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Inhalte. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des jeweiligen Autors und nicht immer die Meinung von Uniper SE wieder.